Full text: Mexico

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Wirtschaftsgeschichtliche Skizze. 
nommen und in so großem Maßstab ausgeführt, daß sie neben 
Zucker, Häuten und, Hölzern die landwirtschaftlichen Haupt- 
artikel ihres Ausfuhrhandels wurden*). Eine Reihe von Nutz- 
und Zierpflanzen, selbst Nutztieren, ist auch von Mexico aus 
nach den Canaren und Spanien und zum Teil von dort aus nach 
anderen Gebieten der östlichen Landmasse ausgeführt worden, 
so Mais, Kakao, Tomaten, Chile, (Paprika), Opuntien und 
Agaven sowie Cochenilleläuse; ja es sind mit den betreffenden 
Dingen auch einige indianische (aztekische) Wörter Gemeingut 
der Kulturvölker geworden, wie Tomate, Kakao, Schokolade. 
Wenn die Landwirtschaft während der spanischen Kolonial- 
zeit trotz der günstigen natürlichen Vorbedingungen und der 
wertvollen neuen Elemente keine nennenswerte Höhe erreichte, 
So waren daran verschiedene Ursachen schuld. Einmal ließ das 
vorwiegende Interesse am Bergbau die Landwirtschaft etwas 
in den Hintergrund treten; dann aber war die Zahl der land- 
wirtschaftlichen Unternehmer zu gering, die Ausdehnung ihrer 
Besitzungen viel zu groß, als daß mehr als ein kleiner Teil der 
landwirtschaftlich nutzbaren Fläche wirklich hätte bearbeitet 
werden können. Hauptsächlich aber war die engherzige Handels- 
politik des Mutterlandes daran schuld: Dadurch, daß der Handel 
mit dem Ausland und den meisten spanischen Kolonien ganz 
verboten war und selbst der Handel mit dem Mutterlande 
während des größeren Teils der Kolonialzeit auf den Verkehr 
mit einem einzigen Hafen beschränkt blieb”), fehlte es an Absatz 
für große Mengen und an der nötigen Konkurrenz, da der 
Schmuggelhandel, der von den Vizekönigen geduldet wurde, 
hier nicht den genügenden Ersatz bieten konnte. Dazu kommt, 
*) In Oaxäca, wo gegen Ende der Kolonialzeit und später die 
Cochenillezucht am meisten blühte, sind nach Mühlenpfordt in den 
Jahren 1758-—1820 39,020.940 Pfad. Cochenille im Wert von 95,911.473 
Pesos gewonnen worden, das ist im Jahresdurchschnitt 619.380 Pfd. im 
Wert von über 1'/a Millionen Pesos (Cochenillegewinnung 1821—1832 
5.174.810 Pfad, im Wert von 10,259.200 Pesos, also im Jahresdurchschnitt 
431.234 Pfd. im Wert von 855.000 Pesos). 
°) Cadiz bzw. Sevilla. Erst Karl IIL öffnete 1778 andere spanische 
Häfen für den Verkehr mit Neuspanien und gab den interkolonialen 
Handel frei.
	        
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