Full text: Mexico

Mexicanische Wirtschaft etc. 
49 
aaß die Landwirtschaft Neuspaniens durch selbstsüchtige Ge- 
setze des Mutterlandes in ihrer Entwicklung künstlich gehemmt 
wurde, indem lange Zeit der Anbau von Tabak Regierungs- 
monopol, der von Weinreben und Ölbäumen aber überhaupt 
verboten war. 
Während so die Landwirtschaft von der Regierung geradezu 
niedergehalten wurde, wurde der Bergbau von ihr in jeder 
Weise gefördert und gab daher während. der ganzen Kolonial- 
epoche, mit Ausnahme des durch Kriegswirren heimgesuchten 
letzten Jahrzehnts, gute Ergebnisse, Humboldt schätzte den 
Ertrag der Minen in Mexico von Beginn der spanischen Besitz- 
ergreifung bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts auf 2 Milliarden 
Pesos, die Zahl der Minenarbeiter am Anfang des 19. Jahr- 
hunderts auf 30.000. Auch für die Besiedlung des Landes waren 
die Bergbauunternehmungen bedeutungsvoll, indem sich daraus 
vielfach neue Städte entwickelten, wie Guanaxuato, Zacatecas, 
Catorce, Fresnillo u. a. Außerdem hat der Bergbau an vielen 
Stellen den Ackerbau erst zur Entwicklung gebracht, und wenn 
der Bergbau aufhörte, so blieb der Feldbau an den betreffenden 
Stellen meist auch fernerhin bestehen. 
Im Gegensatz zum Bergbau kamen Industrie und Gewerbe 
während der Kolonialzeit zu keiner Blüte. Die gewerbliche 
Tätigkeit der Indianer dauerte auf dem Lande in abnehmendem 
Maße, aber gleichartig wie früher, fort; in den Städten dagegen 
herrschte das europäische Handwerk neben einigen größeren 
industriellen Anstalten, so Spinnereien, Webereien?), Gerbereien, 
1) Recht leistungsfähig waren (nach Mühlenpfordt) die Baum- 
woll- und Wollspinnereien und „webereien von Puebla, Quer6taro, 
8, Miguel el Grande und der Intendanz Guadalajära. „Die letzteren pro: 
Aduzierten um 1802 an Wollengeweben für 1,601.200 Pesos jährlich. Die 
Produktion der Intendanz Puebla an Baumwollengeweben hatte vor der 
Revolution einen Wert von 1,500.000 Pesos im jährlichen Durchschnitt, 
war aber nicht das Erzeugnis eigentlicher Fabriken, sondern einzeln 
arbeitender Spinner und Weber, besonders in den Orten Puebla (wo man 
allein an 1200 Kattunweber zählte), Cholula, Huejocingo und Tlaxcäla, 
Queretaro verbrauchte jährlich an 4000 Zentner Baumwolle und 1600 
Zentner einheimischer Wolle zu seinen Geweben. Es befanden sich daselbst 
20 große und 300 kleine Wollenzeugmanufakturen. In ersteren arbeiteten 
mehr als 200 Meister und 1500 Gesellen.“ 
Sapper. Mexico.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.