Full text: Statische oder dynamische Zinstheorie?

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der Methoden müssen Arbeits- und Bodenleistungen, die bisher 
in Produktionsstadien, die der Genußreife näher liegen, Ver- 
wendung fanden, in von der endlichen Genußreife weiter ab- 
stehenden Produktionsstadien investiert werden. Die Folge 
ist, daß der Güterstrom eine Zeitlang schwächer als bisher fließt. 
Was man unter dem Synchronisierungsgedanken verstehen mag, 
ob das tatsächliche Zusammenfallen von Aufwendung und Erfolg 
oder nur die Tatsache, daß es in einer stationären Wirtschaft 
kein absolutes Defizit gibt, für Schumpeters Statik trifft 
er jedenfalls nur teilweise‘ zu, und unseren Erörterungen, die 
an die Fälle des Nichtzutreffens anknüpfen, dürfte demnach 
keine Widerlegung seitens des Synchronisierungsgedankens 
drohen. 
Daß der Synchronisierungsgedanke in der Schumpeter- 
schen Dynamik gegenüber Böhm-Bawerks drittem Grunde 
nichts zu leisten vermag, ist dann ohne weiteres klar. Schum- 
peter beschränkt auch selbst dessen Geltung auf die Statik?). 
Wenn also Schumpeter mit Hilfe des Synchronisierungs- 
gedankens den Beweis erbracht hätte,. daß in der Statik die 
Zinserscheinung nicht erklärbar ist, so wäre noch lange nicht 
gesagt, ob sich nicht in der Dynamik an Hand von Böhm- 
Bawerks drittem Grunde ein Agio an konkreten Gütern, das 
man als Zins bezeichnen könnte, plausibel machen ließe. Muß, 
so fragen wir, der Unternehmer, der zwischen alten und neuen 
Methoden frei wählen kann, durch die Überlegung, daß ein 
bestimmter Genußgütervorrat, den er zum Unterhalt der 
Arbeiter und Grundherrn benötigt, ihm erst das Einschlagen 
eines längeren, dafür aber mehrergiebigeren Umweges ermöglicht, 
nicht auf den Gedanken gebracht werden, daß er diesem Vorrat 
vom Gewinn etwas zurechnen muß? 
Böhm-Bawerk bejaht diese Frage. Schumpeter begeht 
nach seiner Ansicht einen Zurechnungsfehler, wenn er für den 
Fall, daß der Unternehmer die nötigen Mittel zur Durchführung 
der neuen Kombination bereits schon hat, den Unternehmer- 
gewinn als eine homogene Masse bezeichnet. Schumpeter, 
der ausdrücklich in Böhm-Bawerks Kontroverse mit 
') Schumpeter, Entwicklung, S, 48/49.
	        
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