92
der Methoden müssen Arbeits- und Bodenleistungen, die bisher
in Produktionsstadien, die der Genußreife näher liegen, Ver-
wendung fanden, in von der endlichen Genußreife weiter ab-
stehenden Produktionsstadien investiert werden. Die Folge
ist, daß der Güterstrom eine Zeitlang schwächer als bisher fließt.
Was man unter dem Synchronisierungsgedanken verstehen mag,
ob das tatsächliche Zusammenfallen von Aufwendung und Erfolg
oder nur die Tatsache, daß es in einer stationären Wirtschaft
kein absolutes Defizit gibt, für Schumpeters Statik trifft
er jedenfalls nur teilweise‘ zu, und unseren Erörterungen, die
an die Fälle des Nichtzutreffens anknüpfen, dürfte demnach
keine Widerlegung seitens des Synchronisierungsgedankens
drohen.
Daß der Synchronisierungsgedanke in der Schumpeter-
schen Dynamik gegenüber Böhm-Bawerks drittem Grunde
nichts zu leisten vermag, ist dann ohne weiteres klar. Schum-
peter beschränkt auch selbst dessen Geltung auf die Statik?).
Wenn also Schumpeter mit Hilfe des Synchronisierungs-
gedankens den Beweis erbracht hätte,. daß in der Statik die
Zinserscheinung nicht erklärbar ist, so wäre noch lange nicht
gesagt, ob sich nicht in der Dynamik an Hand von Böhm-
Bawerks drittem Grunde ein Agio an konkreten Gütern, das
man als Zins bezeichnen könnte, plausibel machen ließe. Muß,
so fragen wir, der Unternehmer, der zwischen alten und neuen
Methoden frei wählen kann, durch die Überlegung, daß ein
bestimmter Genußgütervorrat, den er zum Unterhalt der
Arbeiter und Grundherrn benötigt, ihm erst das Einschlagen
eines längeren, dafür aber mehrergiebigeren Umweges ermöglicht,
nicht auf den Gedanken gebracht werden, daß er diesem Vorrat
vom Gewinn etwas zurechnen muß?
Böhm-Bawerk bejaht diese Frage. Schumpeter begeht
nach seiner Ansicht einen Zurechnungsfehler, wenn er für den
Fall, daß der Unternehmer die nötigen Mittel zur Durchführung
der neuen Kombination bereits schon hat, den Unternehmer-
gewinn als eine homogene Masse bezeichnet. Schumpeter,
der ausdrücklich in Böhm-Bawerks Kontroverse mit
') Schumpeter, Entwicklung, S, 48/49.