144
gewissen denkbaren Gegeneinwand entgegentreten. Bei ober-Mächlicher
Beobachtung könnte man nämlich vielleicht noch
versucht sein, die Sache sich folgendermaßen zurechtzulegen,
Der künftige, erst nach 5 Jahren zu erlangende Nutzen von
10 werde in der gegenwärtigen Schätzung in der Tat nur perspektivisch
verkleinert, also nur mit 6,21 angeschlagen. Aber
diesem gegenwärtigen Werte des Zieles stehe eben auch nur ein
gegenwärtiges (Arbeits- oder Geld-) Opfer von 6,21 gegenüber;
das Warteopfer liege dagegen erst in der Zukunft und werde in
dieser seine Kompensation durch den einstigen vollen Zukunftswert
des Zieles — im Betrage von ‘10 — finden. Es stehe daher
sinerseits gegenwärtiger Wert und gegenwärtiges Opfer, andererseits
künftiger Wert mit der auch die. künftigen Opfer um.
schließenden gesamten Opfergröße im erforderlichen Einklang.
— Bei diesem Gedankengang würde man aber übersehen, daß
jeder rationelle wirtschaftliche Kalkül die nicht fälligen Opfer
oder Opferraten ebensowohl und zwar sofort in die Rechnung
stellen muß, wie die fälligen. Wenn ich kalkuliere, ob ich ein
mir gegen Zahlung von 20 Jahresraten ä 1000 fl. angebotenes
Wohnhaus kaufen soll oder nicht, so darf ich nicht den gegenwärtigen
Wert des Hauses mit dem Werte der gegenwärtig
fälligen Rate der Opfer, das ist mit der ersten sofort zu erlegenden
Kaufschillingsrate von 1000 fl. allein in Vergleich bringen,
sondern ich muß .selbstverständlich dem Werte des Hauses
sofort den Wert aller gegenwärtig und künftig fälligen 20 Kaufschillingsraten
zusammengenommen gegenüberstellen, wobei
nur die noch nicht fälligen Raten mit einem gewissen, sie auf
ihren gegenwärtigen Wert reduzierenden Abzuge in Anschlag
kommen werden. Analog setzt sich im Sinne der Abstinenztheorie
das gesamte für ein entferntes Genußziel auszulegende
Opfer aus einer sofort fälligen, aus Arbeit oder Geld bestehenden
ersten Opferrate und aus einer Reihe weiterer, über den ganzen
zwischenliegenden Zeitraum sich echellonnierenden Raten von
‚Warteopfern‘“ zusammen. Letztere mögen nun in den gegenwärtigen
Kalkül ebenfalls — sowie die später fälligen Kaufschillingsraten
des Hauses — nur mit einem gewissen, dem Grade
ihrer zeitlichen Entlegenheit entsprechenden Abzuge eingestellt
werden, aber sie müssen jedenfalls überhaupt eingestellt werden,