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Wir stimmen zu, im zweiten Falle ist eine Gleichgewichts-
tendenz der gesamten Wirtschaft nicht denkbar, im ersten Falle
liegt die „Störungsursache‘“, die Änderung in der Geschmacks-
richtung der Konsumenten, bereits vor. Indem man sich bemüht,
den Produktionsapparat entsprechend umzuorientieren, wird
eine allgemeine Gleichgewichtstendenz ausgelöst. Wir befinden
uns hier eben noch in der Statik, die Datenänderung liegt be-
reits vor. Nicht so im zweiten Falle. .Die Datenänderung ist
hier noch nicht vollendet. Vielmehr wird sie erst vorgenommen,
indem man an die Durchsetzung neuer Kombinationen geht.
Von einem Anpassungsprozeß kann noch nicht die Rede sein,
da die „Störungsursache‘‘ noch..nicht. vorliegt. Damit ist aber
doch bloß gesagt, daß wir uns jetzt.in der Dynamik befinden,
daß die Daten sich ändern. Es ist vorerst. damit keine Be-
gründung gegeben, weshalb Statik und.Dynamik zwei scharf zu
scheidende generelle‘ Erkenntnisobjekte sein sollen. Das würde
nur dann der Fall sein, wenn man zur Erfassung des Übergangs-
stadiums von einem Wirtschaftsniveau zum andereti eine ganz
andere Methode hätte und brauchte, mit der man diesen Vorgang
als Gesamtbewegung nach einem bestimmten Punkte erfassen
könnte. Wie wir wissen, liefert Schumpeter ein derartiges
theoretisches Rüstzeug nicht, sordern arbeitet genau So wie
Cassel mit statischen Raisonnements. Wir erwähnten schon
oben?), daß das isolierte Wirtschaftssubjekt oder auch die Einzel-
wirtschaft in der Verkehrswirtschaft in seiner bzw. ihrer Kalkula-
tion das Übergangsstadium nicht durch eine besondere Methode
erfaßt, sondern von bestimmten „Momentphotographien‘“ aus-
geht. In der Tauschwirtschaft ist das ähnlich, auch hier kommen
wir mit der statischen Methode aus. Wir betrachten die einzelnen
Märkte und untersuchen, welche Änderungen infolge Auftretens
des Unternehmers hier die stets herrschende Gleichgewichts-
tendenz hervorruft — bringen also das in der Statik gewonnene
„Gesetz der Grenzpaare‘““ zur Anwendung — überlegen dann,
was das für die übrigen Märkte für Folgen hat, und kommen auf
diese Weise zu einem Punkte, wo wir erkennen, daß die Dis-
krepanzen zwischen den einzelnen Märkten ein weiteres Auf-
MM
Siehe oben S. 57/58.