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die Aussagen, die wir für die Statik machen, ohne weiteres auch
Geltung für die Dynamik haben und hier höchstens ergänzt,
nicht aber umgestoßen werden, können Schumpeters Resultate,
die er aus der Betrachtung seiner individuell gefärbten Statik
erlangt, weder für seine Dynamik noch für die Depressions-
perioden ohne weiteres Geltung beanspruchen. Schumpeter
übersieht das; Wir werden daher bei der Behandlung der Pro-
bleme der Kapitalstheorie, zu der wir jetzt übergehen, diesen
Punkt im Auge behalten, da vielleicht hier eine Ursache für die
verschiedene Lösung des Zinsproblems seitens Cassels und
Schumpeters zu suchen ist.
2, Cassels und Schumpeters Ansichten über die drei Zinsgründe
Eugen v. Böhm-Bawerks.
a)Casselsund Schumpeters Stellungzum drittenGrund.
„Gegenwärtige Güter sind in aller Regel mehr
wert als künftige Güter gleicher Art und Zahl‘).
Dieser Satz, der den Kern- und Mittelpunkt derBöhm-Bawerk-
schen Zinstheorie bildet, wird aus dem Zusammenwirken dreier
Gründe abgeleitet:
1. aus der Verschiedenheit des Verhältnisses von Bedarf
und Deckung in den verschiedenen Zeiträumen?);
2. aus der systematischen Unterschätzung zukünftiger
Bedürfnisse und der Mittel, die zu ihrer Befriedigung dienen?®);
3. aus der technischen Überlegenheit gegenwärtiger Güter,
weil diese das Einschlagen zeitraubender, in aller Regel aber
technisch mehrergiebiger Produktionsumwege gestatten und
infolgedessen einen höheren Grenznutzen verbürgen, als künf-
tige?)
Diese drei Zinsgründe Böhm-Bawerks werden von den
meisten Zinstheoretikern mehr oder weniger, implicite oder
explicite, mit dieser oder jener Zwischenerklärung in ihren
Zinstheorien verwendet, So liegen die Dinge auch bei Schu m-
1) Böhm-Bawerk, Positive Theorie, S. 318 (von Böhm-Bawerk unter-
strichen). 2) ebda., S. 328. 2) ebda, S. 332. % ebda., S. 339.