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Schema einer „Verlängerung der Produktionsperiode‘“ ein-
zwängen läßt, „ohne daß man einer solchen Verlängerung eine
andere Bedeutung gibt als die einer Veränderung der tech-
nischen Produktionsmethode‘‘?),
Cassels Einwände gegen Böhm-Bawerks dritten Grund
beruhen demnach auf Mißverständnissen seitens des ersteren.
Cassel verwendet die Tatsache der Mehrergiebigkeit zeit-
raubender Produktionsumwege ebenfalls als eine Hauptstütze
seiner Zinstheorie, und kommt, was uns hier besonders inter-
essiert, dabei zu dem Schlusse, daß der Zins eine statische Er-
scheinung ist, daß infolge der unerschöpflichen Möglichkeiten,
technisch mehrergiebige, aber zeitraubende Produktionsumwege
einzuschlagen, immer ein Preis für den Dienst des. Wartens
gezahlt werden muß, insbesondere der Zins heutzutage in einer
stationären Wirtschaft, wo infolge des stets gleichbleibenden
Angebotes an Kapitaldisposition die Nachfrage besonders stark
zusammengepreßt werden muß, sehr hoch stehen müßte?),
Cassel stimmt damit Böhm-Bawerk zu, der ausdrücklich
anläßlich der Kritik der Schumpeterschen Zinstheorie den
Zins als eine statische Erscheinung, die besonders durch das
Wirken des dritten Grundes hervorgerufen wird, hinstellt?),
Wie verhält sich nun Schumpeter gegenüber Böhm-
Bawerks drittem Grund? Als Tatsache leugnet Schumpeter
den dritten Grund nicht. Jedoch verwertet er ihn nicht bei
seiner Zinserklärung*). In der Statik leistet diese Tatsache für
ihn nicht das, was sie soll, und in der Dynamik glaubt Schum-
peter, mehr auf das Neue, auf die Durchsetzung neuer Kom-
binationen Gewicht legen zu müssen®).
Unser nächster Schritt wäre wohl, Schumpeters Argu-
mente, die ihn veranlassen, die These von der Mehrergiebigkeit
zeitraubender Produktionsumwege als genügende Erklärungs-
basis für den Zins in der Statik abzulehnen, zu besprechen.
Wir wollen diesen Schritt jedoch noch etwas hinausschieben,
) Cassel, Theorie, S. 175. 2%) ebenda, S, 227/28. Vgl. auch
Cassel, Theorie, 3. Aufl., 5, 236/37.
*) Böhm-Bawerk, Eine „dynamische“ Theorie d. Kapitalzinses, S. 29,
*) Schumpeter, Entwicklung, 1. Aufl., S. 20.
5) Schumpeter, Entgegnung, S. 610/11, Schumpeter, Entwicklung,
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