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Zwecke gesellschaftlicher und beruflicher Art erhebliche Einkommensteile frei
machen. Es besteht kein Zweifel, und der Vergleich zwischen Kaufmanns—
gehilfen mit gleicher Kaufkraft und Arbeitern bestätigt es vollauf, daß die
Ernährung davon empfindlich betroffen wird. Z. B. gaben die hier unter—
suchten Haushaltungen im Durchschnitt jährlich im ganzen 4322,07 AM
aus, während die im Jahre 1925 in Hamburg befragten Arbeiter nur
3232,74 ANM jährlich veraussabten Die Ernährungsaus gaben
waren aber in beiden Fällen gleich. Sie betrugen bei den
Kaufmannsgehilfen 1430,53 NM (oder 33, 10 v. H. der Ausgaben) und bei
den Arbeitern 14155,89 NM (oder 45,04 v. H. der Ausgaben). Die Er—
nährungsweise der Hamburger Haushaltungen ist vom Statistischen Landes—
amt in Hamburg als mangelhaft bezeichnet und auch gegenüber der Vor—
kriegsnahrung als recht dürftig erklärt worden. Die Kaufmannsgehilfen, die
über ein Drittel mehr Einkommen verfügten, haben aber ihre Ernährungs—
weise nicht verbessert, sondern gaben sogar rund 25, — N jährlich weniger
für diesen Zweck aus. Damit ist hinlänglich bewiesen, daß
die Einschränkung der Ernährungsausgaben im
Kaufmannsgehilfenhaushalt eine typische Er—
scheinung ist.
Bevor die einzelnen Ausgaben näher erläutert werden, sei auf die
verbrauchten Lebensmittel im einzelnen eingegangen. Die
folgende Aufstellung unterrichtet über die Verteilung der Nahrungsausgaben
auf die Nahrungsbedürfnisse (Tab. S. 20):
Die größte Ausgabe unter den Nahrungsmitteln bereitet Fleissch
mit 25,21 v. H. der Nahrungsausgaben, oder 300,80 Mä jährlicher Aus—
gabe. Den größten Anteil davon nimmt der Verbrauch von Wurst—
waren mit 7,81 v. H. der Nahrungsausgaben ein. Es folgen Rind⸗
fleisch — 7,02v. H. — und Schweinefleisch — 4,58 v. H. -.
Die Ausgabe für Brot und Mehil beträgt mit 181,34 2M jährlich un—
gefähr die Hälfte der Ausgaben für Fleisch. Zwischen diesen Ausgaben liegt
der Größe nach die fir Genußmittel mit 14,27 v. H. der Nahrungs—
und Genußmittelausgaben, oder 17, — Mä monatlich je Haushaltung. Darin
sind die Genußmittel im weitesten Sinne enthalten. Außer alkoholischen
und nicht alkoholischen Getränken sind Kaffee, Tee, Kakao, Tabak, Gewürze,
Essig, Oel, Schokolade, Süßigkeiten usw. in dieser Ausgabengruppe zu—
sammengefaßt worden. Die nächstgrößten Lebensmittelausgaben verursachen
Milch und Butter mit 9,39 und 9,07 v. H. der Lebensmittelaus—
gaben. Es wurde schon darauf hingewiesen, daß die Lebensmittelausgabe
der in dieser Schrift betrachteten Kaufmannsgehilfen mit derjenigen von
80 Hamburger Arbeitnehmern zufällig übereinstimmt. Zum großen Teil sind
die Ausgaben beider Erhebungen auch in Reichsmark ziemlich gleich, jedoch
sind die Ausgaben für Milch und Butter bei den Kaufmannsgehilfen größer.
Vorstehend sind die abweichenden Lebensmittelausgabeposten beider Er—⸗
hebungen gegenübergestellt worden. Es zeigt sich eine Verbesserung des
Konsums von Butter und Milch. Dafür ist der Verbrauch von Mar⸗
garine eingeschränkt; statt 111,14 Mä gibt der Kaufmanns—
gehilfe nur 30.07 M dafür aus. Auch Kartoffeln und Kase verzebtide