1 ) Schulze-Gävernitz, a. a. 0. S. !85.
254 Vierter Abschnitt. Konjunkturprognose und Konjunkturpolitik.
dahin wirksam sein können, daß der kommende Konjunkturrückgang
sich in ruhigeren Formen vollzieht, keine solchen Schäden und Nach
teile für das ganze Wirtschaftsleben im Gefolge hat, wie es vielleicht
der Fall gewesen wäre, wenn die Haussebewegung mit all ihren Aus
schreitungen noch weiter nach oben gegangen wäre.
Der Notenbank stehen dann freilich auch noch andere Mittel für
diesen Zweck als lediglich Diskonterhöhungen zu Gebote. Sie kann,
wie man es schon einmal ausgedrückt hat, auch von der Politik der
Krediterschwerung zur Politik der Kreditverweigerung übergehen. Noch
entschiedener könnte die Notenbank in dieser Hinsicht wirksam sein,
wenn sie einmal dazu überginge, unmittelbar in Konkurrenz zu den
großen Kreditbanken zu treten und verzinsliche Depositen anzu
nehmen. „Es wäre denkbar, daß die Reichsbank als Depositenbank
dem zentralen Geldmarkt billige Gelder entnähme, um sie bewußter-
massen abgelegeneren Teilen unseres Wirtschaftslebens zuzuführen,
welche gefördert werden sollen: der feinen Industrie und der Provinz.
Durch Zinserhöhung ihrer Depositen könnte die Reichsbank jede
Emission ohne weiteres durchkreuzen. Endlich könnte man sich die
Depositenpolitik zu einer bewußten Konjunkturpolitik ausgebildet
denken — Verknappung des Zinses gegenüber ungesunder Hausse,
Verbilligung behufs Überwindung der Depression 1 ).“
Unter solchen Gesichtspunkten würden dann der Notenbank neue
und größere Aufgaben erwachsen als man ihr bisher zugewiesen hat,
Aufgaben, die „von der Diskontpolitik zur Herrschaft über den Geld
markt“ führen würden, Forderungen, wie sie vor allem von Plenge
vertreten worden sind. „Die große Zentralbank hat die Macht, die
Naturgesetzlichkeiten des Verkehrs durch ihre Zinsveränderungen zu
modifizieren und den automatischen Gang der inneren Konjunktur
und die automatische Bewegung der Zahlungsbilanz umzustellen.
Auch die moderne Marktbeherrschung ist selbstverständlich Preis
politik und wirkt wesentlich durch das Mittel der Preisänderung. Aber
sie ist eine Politik der persönlichen Einwirkung auf die einzelnen
Marktfaktoren, auf Abnehmer und Konkurrenten, durch Drohung und
Versprechen, Förderung und Unterdrückung, um sie nach einem ein
heitlichen Willen zusammen arbeiten zu lassen. Sie arbeitet also mit
anderen Methoden als die reine Diskontpolitik, sie hat weiter einen
ganz anderen Wirkungskreis wie die reine Diskontpolitik, weil sie
nicht nur einen regulativen Zinssatz festsetzen will, sondern not
wendig dazu fortgehen muß, das Angebot der Wäre Kapital nach