Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

48  Drittes  Kapitel.  Das  Zeitalter  der  griechischen  Kolonisation.
mit  Familie  dürste  regelmäßig  mehr  als  der  Sklave  gekostet  haben.
Ebenso,  wie  heute  die  Maschine  den  Arbeiter  überall  dort  nicht
verdrängt,  wo  Handarbeit  billiger  ist  als  Maschinenarbeit,  so  konnte
auch  die  lebendige  Maschine,  der  Sklave,  der  nicht  besser  als  der
freie  Arbeiter  funktionierte,  den  freien  Arbeiter  nicht  rasch  verdrängen. ­
  Dieser  leistete  im  Akkord  sicher  mehr  als  der  Sklave,  der
natürlich  möglichst  faul  war,  wenn  er  nicht  scharf  bewacht  wurde.
Daher  haben  denn  auch  die  Herren,  welche  ihre  Sklaven  zu  höheren
Arbeiten  verwendeten,  diesen  immer  eine  ziemliche  Freiheit  gelassen ­
  (S.  72).  Jetzt  kamen  immer  mehr  Sklaven  nach  Griechenland, ­
  die  einer  weit  niederen  Kultur  angehörten,  oft  die  Sprache
des  Landes  nicht  verstanden,  als  Fremde  häufig  sogar  Abneigung
einflößten  und  so  die  Stellung  aller  Sklaven  verschlimmerten.  Die
Herren  fingen  immer  mehr  an  Unternehmer  zu  werden,  welche  sowohl ­
  in  der  Landwirtschaft  als  auch  besonders  beim  Fabrikbetrieb
das  persönliche  Verhältnis  zu  ihren  Dienern  verloren.  Während
die  Auflösung  des  patriarchalischen  Verhältnisses  bei  den  freien
Arbeitern,  wenn  sie  auf  einer  genügend  hohen  Stufe  stehen,  eine
Hebung  bedeutet,  ist  es  beim  Sklaven  zunächst  mit  einer  Herabdrückung ­
  seines  Niveaus  identisch,  ebenso  wie  für  den  heutigen
Dienstboten  das  Aufhören  des  patriarchalischen  Verhältnisses
ein  Herabsinken  bedeutet,  da  die  Angehörigkeit  zu  einer  bestimmten
Klasse  ihm  noch  nicht  zum  Bewußtsein  gekommen  ist.  Selbstverständlich ­
  sah  man  früh  ein,  daß  durch  die  Verwendung  von  Sklaven
der  freie  Arbeiter  verdrängt  werde,  und  es  wurde  gelegentlich,  wie
auch  späterhin  in  der  Römerzeit,  der  Versuch  gemacht,  die  Verwendung ­
  von  Sklaven  einzuschränken,  ohne  daß  aber  diese  Bemühungen ­
  einen  allgemeineren  Charakter  angenommen  hätten
(S.  107).  Während  die  Sklaven  aus  den  Gebieten  des  Schwarzen
Meeres  vor  allem  durch  griechische  Händler  zur  See  verfrachtet
wurden,  kamen  sie  in  Kleinasien  auf  dem  Landwege  in  griechische
Hände,  syrische,  jüdische  und  ägyptische  Sklaven  brachten  vor  allem
die  Phöniker,  gegen  die  der  Prophet  denn  auch  Jahve  Drohungen ­
  ausstoßen  läßt:  weil  sie  nicht  nur  Silber  und  Gold  geraubt,
sondern  auch  Judäer  und  Jerusalemer  an  die  Ionier  verkauft
hätten  (Joel  4,  1—8).
i-  So  sehn  wir  denn,  wie  sich  im  Zeitalter  der  griechischen  Kolonisation ­
  jene  Faktoren  bildeten,  welche  zu  einer  Weltwirtschaft
im  modernen  Sinne  führten:  Arbeitsteilung  der  Länder,  besonders ­
  Trennung  der  industriellen  und  der  agrarischen  Produktion,
            
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