Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

Bestehens darauf, daß die gesunde Konkurrenz unter 
den Einzelgesellschaften erhalten blieb. Sie betrieb 
ja nicht die Bergwerke, Fabriken und Eisenbahnen. 
Jede Einzelgesellschaft war selbständig, hatte ihren 
eigenen Präsidenten, ihre eigenen Beamten und ihr 
eigenes Direktorium. Die Dachgesellschaft stand nur 
über dem Ganzen und verglich und beaufsichtigte die 
Geschäftsführung der Einzelgesellschaften. Sie dik- 
tierte auch die Politik gegen die Arbeiterschaft, die 
— vom Standpunkt der Leitung aus — ein kleines 
Meisterstück industrieller Führerschaft war. Fast un- 
mittelbar nach seiner Gründung hatte der Stahltrust 
einen der größten Streiks in der Geschichte der Stahl- 
industrie zu bekämpfen. Er begann am 1, Juli 1901 
und dauerte bis in den September. Es handelte sich 
hierbei nicht um Löhne, Arbeitszeit oder -bedingungen, 
sondern um die Anerkennung der Gewerkschaften, 
die Morgan verweigerte. Er sagte: „Kein Kompro- 
miß!” — und es gab auch kein Kompromiß., Die Ge- 
werkschaften konnten auch im bescheidensten Um- 
fang in den Stahlwerken des Trusts nicht Fuß fassen. 
Seine Beziehungen zu den Arbeitern waren sozusagen 
patriarchalisch, er stellte jeden Mann einzeln an. 
Sozialpolitiker sagten, daß diese Haltung des Stahl- 
trusts grundsätzlich falsch sei und die Arbeiter als 
Klasse schwächen würde. Nun darf man aber nicht 
aus den Augen lassen, daß die Gewerkschaften nicht 
nur Stimmrecht in der Festsetzung der Arbeitsbedin- 
gungen verlangten, sondern auch einen Anteil bei der 
Verwaltung der Werke, was sich mit deren Geschäfts- 
methoden nicht vertrug. Daher zerschlug der Stahl- 
trust die Gewerkschaften. Aber er verfolgte nun eine 
genau so starre Politik wie früher die Gewerk- 
schaften. Diese hatten alle Gewinne, die aus einer 
Produktionssteigerung infolge einer neuen Erfindung, 
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