Full text: Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

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was den Humanisten zu einem feinsinnigen Dankbrief ver- 
anlasste 1 ). Den zweiten Wunsch Paumgartners erfüllte Erasmus 
am i. März 1533, indem er ihm einigeHomilien desChrysostomus, 
die er damals herausgab, zueignete. In der Widmungsepistel 
preist er Paumgartners Liebe zu den Wissenschaften und hebt 
rühmend hervor, dass er ebenso wie Anton Fugger sein Geld 
recht verwende. Er entschuldigt sich, dass er einem Laien 
ein geistliches Werk widme, weist aber auf die nahe Fastenzeit 
hin, in der seinem Freunde vielleicht solche Lektüre will 
kommen sei 2 ). Paumgartner sandte hierauf dem Humanisten 
einen goldenen Becher als Gegengeschenk 3 ). 
Man wird es den Gelehrten jener Tage, in denen Verleger 
honorare noch nicht üblich waren, nicht zum Vorwurf machen 
können, wenn sie sich bei den reichen Kaufherren in Gunst zu 
setzen suchten und in der Hoffnung auf reiche Geschenke 
ihnen Weihrauch streuten. Spendeten doch jene Mäzene gern 
von ihrem Reichtum an die Humanisten, die dazu beitrugen, 
dass ihre Namen bei Mit- und Nachwelt bekannt wurden. So 
kargte auch Erasmus nicht mit seinen Lobeserhebungen zum 
Preis der Familie Paumgartner. Besonders interessant ist 
nach dieser Richtung sein Brief an den spanischen Theologen 
Johannes Vergara (19. November 1533), in dem er diesen mit 
seinem neuen Augsburger Freunde bekannt macht 4 ). Erasmus 
gedenkt zunächst des Ablebens Wilhelm Warams, des Erz 
bischofs von Canterbury, dessen Tod ihn tief betroffen habe. 
Ueber den Verlust dieses Freundes könne ihn nur der Gedanke 
an seinen tüchtigen Nachfolger (Thomas Cranmer) und der 
Umstand trösten, dass er in Augsburg einige Freunde neu ge- 
9 Erasmi opera a. a. O. 1435 B. Anspielend auf Paumgartners 
Tiroler Bergwerke beginnt Erasmus den Brief mit den Worten: Utinam 
ex ingenii mei vena tarn facile aliquod depromere liceat, vir clarissime, 
quam tibi proclive est e terrae venis munus nostra dignum amicitia. 
2 ) Aliquot Homiliae Divi Joannis Chrysostomi, ad pietatem 
summopere conducibiles nunc primum et versae et editae per Erasmum 
Roterodamum. Basileae 1533. 
3 ) Brief des Erasmus an Paumgartners Sohn Johann Georg vom 
12. Mai 1533. Erasmi opp. III. 1469 A. 
*) Erasmi opp. III 1480 F. Johannes Vergara, geb. in Toledo, 
spanischer Theologe, den Hadrian VI. als Mitglied der Bibelüber 
setzungskommission wählte. Zur Vorgeschichte dieses Briefes vgl. 
Beihefte z. Zentralbl. f. Bibliothekswesen XXVII S. 239.
	        
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