Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

Augenblick gefaßten Entschlüsse waren oft weit 
zweckmäßiger als die mühsam ausgeklügelter Pläne; 
keinen wichtigen Gesichtspunkt hatte er übersehen, 
kein Hindernis unterschätzt, Im Geiste sah er das 
Ziel und den Weg, es zu erreichen. Damit sollen die 
vielen mühsamen Vorarbeiten, die seine Teilhaber 
leisteten, gewiß nicht verkleinert werden, aber es 
bleibt doch wahr, daß seine und seiner Firma fast 
wunderbar zu nennenden Erfolge im Grunde ge- 
nommen ihm allein zuzuschreiben sind. 
Er nahm keine Lehren an und er gab keine, weder 
schriftlich noch mündlich. Er hielt sehr selten Reden, 
er hörte aber auch sehr selten lange Reden an. Er 
legte nicht lang und breit seine Ansichten dar und ließ 
sich auch die anderer Leute nicht darlegen. Hierin 
unterschied er sich nicht von den meisten seiner er- 
folgreichen Zeitgenossen, denen Reden, Diskussionen, 
Agitationen, die nicht zu einem unmittelbaren Erfolg 
führen, einfach gegen die Natur gingen. Wenn Abram 
S. Hewitt zum Beispiel Geld für einen mildtätigen 
Zweck geben sollte, dann verlangte er einen ausführ- 
lichen Bericht, untersuchte alle Einzelheiten, jedes 
Für und Wider, und dann entschied er sich. Aber 
Hewitt war nicht wie die meisten der modernen Multi- 
millionäre, er war ein altmodischer Geschäftsmann, 
der reich geworden war, als das Wirtschaftsleben nicht 
weniger Arbeitskraft, aber weniger schnelle Ent- 
schlüsse forderte und weniger abwechslungsreich war. 
So fühlte er sich in dem ersten Direktorium der Uni- 
ted States Steel Corporation auch vollkommen fehl 
am Platze —- er war der geborene Kathederprofessor. 
Morgan dagegen hörte sich nie eine nutzlose Dis- 
kussion an, um dann seine Entscheidung bekannt- 
zugeben. In seiner Eigenschaft als finanzieller Pro- 
metheus für eine kommende Generation von Kapita- 
2%
	        
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