Was den ersten Punkt anbetrifft, so war es den
amerikanischen Bankiers unter Führung von Morgan
natürlich klar, daß es ein Unding sei, einem Schuldner
zuzumuten, jährliche Raten seiner Schuld zu zahlen,
ohne ihm mitzuteilen, wie groß diese Schuld eigent-
lich sei, wie viele Raten er zu zahlen habe. Von
philanthropischen Erwägungen waren die Finanziers
sicher nicht geleitet, sondern klar und einfach von der
Erwägung, daß eine unbegrenzte Zahlungspflicht
Deutschlands ein Element großer Unsicherheit in die
an und für sich schon recht undurchsichtigen Fragen
hereinbrachte. Es wurde mehrere Male ausdrücklich
betont, daß Deutschland auf dem internationalen Geld-
markt nur dann Kredit finden könne, wenn es über
die endgültige Höhe seiner Reparationsverpflichtungen
unterrichtet werde, da es sonst ja ein zu unsicherer
Schuldner sei. Durch eine Vereitelung der Anleihe
aber wäre der gesamte Sachverständigen-Plan illu-
sorisch geworden.
In bezug auf die Freiheit Deutschlands, nutz-
bringenden Handel zu treiben, machte er ebenfalls
darauf aufmerksam, daß nur unter dieser Voraus-
setzung eine Anleihe möglich sei. Es war gerade dies
ja eine recht komplizierte Angelegenheit. Deutschland
konnte natürlich nur zahlungsfähig gemacht werden
durch. Steigerung seiner Arbeitskraft und seiner Aus-
fuhr, Die letztere würde aber erhöhte Konkurrenz
der deutschen Waren auf den Welthandelsmärkten
gegenüber den Waren der Siegerstaaten mit sich
bringen, und schon wurde ja infolge der voran-
gegangenen Inflation nach Schutz gegen das Dumping
deutscher Erzeugnisse gerufen. Hier vertrat Morgan
selbst gegenüber den Wirtschaftskreisen seines eigenen
Landes die Interessen der Finanzkreise, die dahin
gingen, Deutschland keine von vornherein unerfüll-
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