Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

Was den ersten Punkt anbetrifft, so war es den 
amerikanischen Bankiers unter Führung von Morgan 
natürlich klar, daß es ein Unding sei, einem Schuldner 
zuzumuten, jährliche Raten seiner Schuld zu zahlen, 
ohne ihm mitzuteilen, wie groß diese Schuld eigent- 
lich sei, wie viele Raten er zu zahlen habe. Von 
philanthropischen Erwägungen waren die Finanziers 
sicher nicht geleitet, sondern klar und einfach von der 
Erwägung, daß eine unbegrenzte Zahlungspflicht 
Deutschlands ein Element großer Unsicherheit in die 
an und für sich schon recht undurchsichtigen Fragen 
hereinbrachte. Es wurde mehrere Male ausdrücklich 
betont, daß Deutschland auf dem internationalen Geld- 
markt nur dann Kredit finden könne, wenn es über 
die endgültige Höhe seiner Reparationsverpflichtungen 
unterrichtet werde, da es sonst ja ein zu unsicherer 
Schuldner sei. Durch eine Vereitelung der Anleihe 
aber wäre der gesamte Sachverständigen-Plan illu- 
sorisch geworden. 
In bezug auf die Freiheit Deutschlands, nutz- 
bringenden Handel zu treiben, machte er ebenfalls 
darauf aufmerksam, daß nur unter dieser Voraus- 
setzung eine Anleihe möglich sei. Es war gerade dies 
ja eine recht komplizierte Angelegenheit. Deutschland 
konnte natürlich nur zahlungsfähig gemacht werden 
durch. Steigerung seiner Arbeitskraft und seiner Aus- 
fuhr, Die letztere würde aber erhöhte Konkurrenz 
der deutschen Waren auf den Welthandelsmärkten 
gegenüber den Waren der Siegerstaaten mit sich 
bringen, und schon wurde ja infolge der voran- 
gegangenen Inflation nach Schutz gegen das Dumping 
deutscher Erzeugnisse gerufen. Hier vertrat Morgan 
selbst gegenüber den Wirtschaftskreisen seines eigenen 
Landes die Interessen der Finanzkreise, die dahin 
gingen, Deutschland keine von vornherein unerfüll- 
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