New York Central aufgegangen, die sich aus 11 ein-
zelnen Bahnen zusammengeschlossen hatte. In ähn-
licher Weise war die Pennsylvania aus einer ganzen
Anzahl ursprünglich selbständiger Linien. südwestlich
von New York entstanden. Solche Zusammenschlüsse
warfen hohe Gewinne ab, denn ihr Verkehr wuchs in
viel größerem Maße als die Finanzierungs- und Be-
triebskosten für die größere Kilometerzahl.
Die Besitzer dieser neuen großen Strecken hatten
außerordentliche strategische Vorteile, denn sie waren
die einzigen, die dem Land den nötigen Verkehrsdienst
gewährleisten konnten. Die Trassen, Bahnhöfe, Loko-
motiven und das sonstige rollende Material, das sie
schon besaßen, konnte von neuen Linien nur unter
viel größeren Kosten neu angelegt beziehungsweise
beschafft werden. Anscheinend brauchten sie weiter
nichts zu tun als zu liegen und zu besitzen, mitten im
Strom des blühenden Geschäftes, der ihnen jeden nur
denkbaren Gewinn zuführte.
Manchmal allerdings mußten sie um ihren Platz an
der Sonne kämpfen. Um solche Kämpfe weniger häufig
und weniger blutig zu machen, erfand man das Pool-
system. So ging alles gut, bis der Gedanke, parallel
laufende Konkurrenzlinien zu bauen, nicht nur gefaßt,
sondern auch in die Tat umgesetzt wurde. Nach allen
Regeln des gesunden geschäftlichen Menschenverstan-
des war ein solches Verfahren theoretisch vollkommen
unmöglich, Es konnte, es durfte vom Gesichtspunkt
einer vernünftigen Geschäftspolitik einfach nicht vor-
kommen, es war grundsätzlich ausgeschlossen. Und
doch wurde es angewendet.
Ein Jahrhundert lang enthielt die Theorie des
Wettbewerbes den unbestrittenen Satz, daß jede Kon-
kurrenz ein Ende nimmt, wenn die Einnahmen aus
einem Unternehmen geringer werden als die Betriebs-
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