Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

Achtes Kapitel. 
Die Gemeindewirtschaft. 
Die Organisation der Arbeit in verschiedenen Wirt 
schaftssystemen hängt stark von diesen ab. 
Die Jagd gestattet keine große Anhäufung von Menschen an 
einem Orte, fordert vielmehr möglichste Zerstreuung über das 
Territorium, um Erfolg zu haben. Dennoch geben die Vorteile 
der Kooperation, der gemeinsamen Jagd, zuweilen Anlaß, in grö 
ßeren Gruppen zu leben, wobei eine regelrechte Arbeitsteilung 
schon bei der Jagd oder Fischerei zu konstatieren ist. Auch 
bewirkte die Notwendigkeit des Selbstschutzes gegen die benach 
barten Stämme, daß die Jägervölker in größeren Gruppen lebten. 
Die Viehzuchtwirtschaft gestattet eine größere und festere 
Kooperation. Das Vieh kann in großen Herden geweidet werden, 
allerdings unter der Bedingung des ständigen Ortswech - 
sels. Ein je größeres Territorium der Stamm inne hat, je leich 
ter er seinen Ort wechseln kann, um so größere Herden können 
geweidet werden, um so mehr Menschen können Zusammen 
leben, und um so bedeutender ist die Kraftersparnis infolge dieses 
Zusammenlebens. Die Einengung des Gebiets, die infolge der 
Bevölkerungszunahme und der Bedrängung durch die Nachbarn 
eintritt, führt nicht nur den Übergang zum Ackerbau herbei, son 
dern auch das Auseinanderfallen der großen Wirtschaftsgruppe 
in viele kleinere. Mit dem Übergang zur ansässigen Lebensweise 
teilt sich das Geschlecht in Familien auf. Die Weide bleibt aller 
dings noch gemeinsam, aber das Vieh beginnt, seine Bedeutung in 
der Wirtschaft zu verlieren: an die Stelle der Viehzucht tritt der 
Ackerbau. Die wirtschaftliche Tätigkeit innerhalb der Familie 
spielt jetzt eine größere Rolle als die kollektive Viehzucht des
	        
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