Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

134 III. Lübecker Familien und Persönlichkeiten aus der Frühzeit der Stadt 
für diese Grundstücke die Rentenschuld übernahm und sich persönlich 
verpflichtete für die Zahlung der Rentenzinsen. Es mußte also der Name des 
Bankiers gut sein dafür, daß die Verpflichtungen durchgeführt wurden. 
Durch diese Tätigkeit fiel dem Makler Hildemar wertvoller Grundbesitz 
in die Hände, genau so, wie die Morneweg durch versäumte Rentzahlungen 
und durch eigenen Kauf massenhaft den alten Grundbesitz der Gründer- 
familien an sich brachten. 
Andere Aufgaben hatte sich zu Anfang des 14, Jahrhunderts der Ratsherr 
Hermann Clendenst mit seinen ausgedehnten Kreditgeschäften gesetzt. 
Unter seinen Kunden treten feudale Namen auf: die Grafen von Holstein, 
holsteinische Ritter, Kirchen, Domkapitel, Klöster, wie das Kloster Preetz 
und das Kloster Cismar. Vor allem aber vermittelte er den Kredit bei Kredit- 
geschäften im Handelsleben der Stadt. Namentlich auswärtigen Kunden 
gegenüber zog der vorsichtige Lübecker Kaufmann es vor, den Lübecker 
Geldmann eher als Schuldner zu haben, als den auswärtigen Kaufmann. Hier 
hat Hermann Clendenst mit einigen Geschäftsfreunden mit seiner Tätigkeit 
eingesetzt. Das Geschäft muß zweifellos gut gegangen sein, denn in der Zeit 
von 1325 bis 1335 sind nicht weniger als 247 Geschäftsabschlüsse solcher 
Art allein im Lübecker Schuldbuch nachzuweisen. Im Jahre 1335 machte 
allerdings ein folgenschwerer Konkurs dem ganzen Geschäft ein Ende. Mit 
diesem Augenblick ist der Ratsherr Hermann Clendenst nicht nur aus dem 
Wirtschaftsleben der Stadt, sondern auch aus dem Rate verschwunden. 
Bei dieser Art des Kreditgebens durch Hildemar und Clendenst handelte 
es sich in erster Linie um Leute, bei denen der Kredit nicht mehr ganz außer 
Zweifel stand. Es gab daneben aber auch noch eine andere Art des persön- 
lichen Kredits an junge Leute, von denen man wußte, daß sie draußen etwas 
Gutes schaffen würden. Denen gab man gern Geldvorschüsse, damit sie hoch- 
kommen und Handelsgeschäfte machen konnten. Das geschah in der Weise, 
daß der Kapitalgeber Persönlichkeiten, die selbst im kaufmännischen Leben 
standen, häufig seine Handelsangestellten, durch Einlage von Kapital unter- 
stützte. Der junge Mann erhielt dann zu seinem eigenen Kapital — das ihm 
derselbe Geldgeber gelegentlich geliehen hatte — noch die gleiche oder 
doppelte Einlage vom Kapitalisten. Damit mußte er dann draußen als Unter- 
nehmer arbeiten und Handelsgeschäfte treiben. Wenn er zurückkam, wurde 
über Gewinn und Verlust abgerechnet nach dem Verhältnisdes eingeschossenen 
Kapitals. Auf diese Weise entstand das Institut der stillen Handelsgesell- 
schaft, das dem Lübecker Fernhandel neue Kräfte zuführte, die sich zunächst 
mit fremdem Gelde hocharbeiten mußten. 
Der eigentlich bestimmende Lebensnerv des wirtschaftlichen Lebens der 
Stadt war aber der Fernhandel. Und dieser Fernhandel wurde seit dem Ende 
des 13. Jahrhunderts immer deutlicher reiner Großhandel’). Mochten auch 
die alten Familien der Stadt noch bis zum Ende des 13. Jahrhunderts Wert
	        
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