Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

136 III. Lübecker Familien und Persönlichkeiten aus der Frühzeit der Stadt 
Die Brüder Bruno und Hermann minor haben ihren Familien wieder den 
Sitz im Rate zurückerobert; die beiden andern Warendorp ihren Familien 
den Zutritt zum Rat zuerst eröffnet. Allen vieren gemeinsam ist, daß sie die 
im Handel erworbenen Gelder im Ankauf von Renten und Grundbesitz 
anlegen: der spätere große Reichtum der Warendorp an Liegenschaften in 
Stadt und Land und an Grundwerten geht zweifellos auf die Tätigkeit im 
Handel zurück. Dieser reiche Grundbesitz hat es den späteren Generationen 
der Warendorp ermöglicht, ein Rentnerleben zu führen, als um die 70er 
Jahre des 14. Jahrhunderts der rücksichtslose Erwerbstrieb der Frühzeit 
Lübecks sich soweit beruhigt hatte, daß ein Rentnerleben möglich war, und 
nicht mehr das Schicksal der Stalbuk aus dem Ende des 13. Jahrhunderts 
zu fürchten war. Immerhin: noch die Enkel Brunos waren tätige Kaufleute; 
namentlich auch sein berühmtester Enkel: der 1369 im Kampf gegen 
Waldemar von Dänemark gebliebene Bürgermeister Bruno. 
Es ist bereits erwähnt, daß die Warendorp sich sehr an der weiteren 
Kolonisation des Ostseebeckens an führender Stelle beteiligt haben; in erster 
Linie als Ratsmänner in den neugegründeten Städten des Ostens. Aber von 
typischer Bedeutung ist, daß 1352 ein Glied der Familie als Deutschordens- 
ritter in Preußen begegnet, und eine Tochter der Familie dem Ritter Johann 
Tissenhausen aus Livland die Hand zum Ehebunde reicht. Nicht umsonst 
führen die Warendorp ihr Wappen, und zwar jede der drei Linien ein 
anderes. Noch fühlte sich. die Oberschicht des freien Bürgertums dem Ritter 
als vollkommen ebenbürtig. Deshalb führten sie genau wie die Ritter das 
Wappen nicht nur zur Dekoration, sondern als wirkliches Abzeichen im 
Kampfe. Daneben war es aber damals schon ein Zeichen des Familienstolzes 
und der Tradition, daß das Wappen auf dem kostbaren Silbergerät und auf 
den Schüsseln angebracht war; daß auch das Silbergerät der Frau, die in 
eine Familie hineinheiratete, ihr Familienwappen zierte. 
Auch im geistlichen Gewande sind die Warendorp in den fernen baltischen 
Osten vorgedrungen: einer von ihnen war Kanoniker des Dorpater Dom- 
kapitels. Von ihnen und anderen Familien, z. B. den Bocholt, gilt dasselbe: 
in den späteren Generationen ist es überaus häufig, daß Glieder der Familie 
dem hohen Klerus angehören. Aus den Bocholt ging der bekannte, um den 
Ausbau des Lübecker Doms so verdiente Lübecker Bischof Hinrich Bocholt 
(+ 1341) hervor; ein anderer Bocholt — Johann (+ 1311) — und ein Waren- 
dorp — Hinrich (}+1350) — beide Glieder der Lübecker Familien gleichen 
Namens, waren Bischöfe in Schleswig. Sehr zahlreich sind Glieder beider 
Familien Mitglieder des Lübecker Kapitels, aber auch der Kapitel in Schles- 
wig und Lund. Der Wunsch, die Macht und das Ansehen der Familie zu 
erhöhen auf der einen Seite, das dem Rentnerleben verwandte Streben nach 
geistlichen Sinekuren andrerseits machten das geistliche Gewand begehrens- 
wert. Die Töchter derselben Familien, soweit sie unverehelicht blieben,
	        
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