148 IV. Außenpolitische und innerpolitische Wandlungen in der Hanse
selbständig waren!®?), Noch weit ungebundener war damals die Stellung an-
derer sogenannter Landstädte, wie etwa die der mecklenburgischen Seestädte
Rostock und Wismar. Diese Fähigkeit zu eigener Außen- und Wirtschafts-
politik war ja die wesentliche Grundlage aller Teilnahme der Städte am
hansischen Bunde, von denen sich bekanntlich nur Lübeck, Dortmund und
Goslar der Reichsunmittelbarkeit erfreuten. Immerhin wurden bereits zu
Anfang der 70er Jahre niedersächsische Städte wie Lüneburg und Braun-
schweig aufs schwerste gehemmt und geschädigt durch einen der großen
dynastischen Erbfolgekriege; den lüneburgischen Erbfolgestreit; damals fiel
allerdings noch dem überlegenen politischen Geschick des Lüneburger Rates
eine führende und entscheidende Rolle in dem Streite zu; noch waren hier
die Städte das Zünglein an der Wage in dem Kampfe der Territorialfürsten
untereinander. Aber nach dem schweren Kampfe zwischen Landesherren
und Städten zunächst in Flandern, dann in Oberdeutschland,war es auch den
niedersächsischen Städten klar, daß die Tage der fast völligen Ungebunden-
heit vorüber waren und die Machtprobe zwischen Landesherren und Städten
jeden Tag hier oder dort versucht werden würde. Nicht umsonst vermehrten
damals die Städte mit allem Nachdruck ihre Defensivwaffen, vor allem die
Artillerie; nicht umsonst verrieten die Städte eine geradezu nervöse Sorge,
wenn sie sich über diese in der Luft liegende Gefahr äußerten. Aufgeflammt
ist der Konflikt in Norddeutschland allerdings erst 1388, bei dem damals
noch vergeblichen Versuch einer fürstlichen Koalition, die Reichsstadt
Dortmund zu bezwingen. Zweifellos hat aber auch diese neue schwere Sorge
bereits zu Anfang der 70er Jahre die politische Leitung der Hanse mit
beeinflußt.
Aber nicht nur unmittelbar vor den Toren der Städte erwuchs den Städten
in dem Machtanspruch der Territorien eine ernste Gefahr, sondern in den
Städten selbst, im eigenen Hause gärte es bedenklich. Die Hansestädte
waren der Natur der Sache nach aristokratisch regiert; und zwar war eine
Schicht von Großkaufleuten in ihnen tonangebend, denen auch die politische
Leitung der Gemeinwesen zufiel. Da rollte nun gerade in den 60er und 70er
Jahren die erste schwere Welle demokratischer Unruhen durch mehrere
niedersächsische Hansestädte. 1365 loderte der Aufstand in Bremen auf und,
ein sehr bedenkliches Symptom, die Aufständischen fanden am Stadtherrn,
dem Bremer Erzbischof, einen Rückhalt gegen den alten Rat. Überall
machte sich die Spannung zwischen der aristokratischen Oberschicht und
den Handwerkern geltend, am stärksten und nachhaltigsten außer in Köln in
Braunschweig mit seiner starken Weberbevölkerung; aber auch Hamburg
hatte seine inneren Unruhen, und Lübeck selbst folgte Anfang der 80er Jahre.
Selbstverständlich war diese ständige innere Gefahr eine schwere Belastung
für die hansische Außenpolitik. Unwillen über die Finanzgebarung des Rates
war allzuoft die Ursache oder die angebliche Ursache dieser Bewegungen;