150 IV. Außenpolitische und innerpolitische Wandlungen in der Hanse
Wandel in der hansischen Politik ein Wandel in der hansischen Wirtschaft,
mehr noch, in der gesamten inneren Struktur entsprochen hätte. Niemals
wird es allerdings möglich sein, das Kausalverhältnis zwischen außenpoliti-
schem Gestalten und inneren Strukturveränderungen im einzelnen bloß-
zulegen; genug, sie sind bei der Hanse in enger Wechselwirkung miteinander
verflochten.
Die Handelspolitik der hansischen Frühzeit war auf Handelsfreiheit ein-
gestellt. Das Streben nach Freiheit des Gästehandels war geradezu ein
Grundzug der älteren Lübecker Handelspolitik!’). Man konnte für Freiheit
und Gegenseitigkeit sein, weil man sich zutraute, im freien Wettbewerb die
Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen. Das hansische Ostseemonopol hat
ja in der Tat seinen Ausgang genommen von Gegenseitigkeitsverträgen mit
russischen Fürsten; der Russe war aber einfach nicht in der Lage, die ihm
an sich zustehenden Rechte auszuüben. Allerdings: gegen Ende des 13. Jahr-
hunderts erfahren wir aus den bekannten Dankschreiben Kampens und
Zwolles an Lübeck von etwa 1280 bis 1282 von einem auf Lübecks Betreiben
erfolgten Verbot der Fahrt der Friesen und Flandrer nach Gotland, und
umgekehrt eines Verbotes für die gotländischen Schiffer nach der Nordsee;
aber es handelt sich dabei durchaus nicht um ein generelles Verbot der
Ostseefahrt; die darauf hinzielenden Wünsche Kampens, ein solches Verbot
namentlich für die Engländer durchzuführen, fanden in Lübeck keine
Beachtung!®). Nur die Teilnahme der Friesen und Flandrer am west-öst-
lichen Zwischenhandel wurde getroffen; nicht etwa ihre übrige Ostseefahrt,
vor allem nicht die Kornfahrt der Friesen!®). So ist das Verbot aus den 80er
Jahren des 13. Jahrhunderts verständlich als das Erzeugnis einer ersten
Beunruhigung in Lübeck über die Gefahren, welche dem Monopol der See-
städte durch das Aufkommen der Umlandsfahrt in der Vermittlung des
Warenverkehrs von Osten nach Westen erwachsen könnten. Da aber dies
Auftreten der Friesen zunächst eine durch besondere Verhältnisse bedingte,
vorübergehende Erscheinung blieb?), so ist im 14. Jahrhundert von Ver-
boten für die Ostseefahrt zunächst nichts zu bemerken. Da ist es nun von
grundsätzlicher Bedeutung, daß die Hansestädte nach ihrem ersten großen
Erfolge im Kampfe mit Waldemar, der Eroberung von Schonen, den Ostsee-
handel der Engländer an einem seiner wichtigsten Brennpunkte bis zur
Unerträglichkeit erschweren, eben auf Schonen selbst. Entgegen dem bisher
zweifellos bestehenden Brauche?) wird den Engländern der Aufenthalt auf
Schonen unmöglich gemacht.
Dieerste wirtschaftspolitische Maßnahme der Hanse nach dem
Erfolge des Stralsunder Friedens ist also protektionistischer
Art, geht aus auf Verdrängung zwar nicht aller Fremden, aber
doch eines sich damals zum erstenmal besonders stark regenden
Konkurrenten. Und in der Auseinandersetzung mit den Engländern