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IV. Außenpolitische und innerpolitische Wandlungen in der Hanse
ANMERKUNGEN ZU IV:
AUSSENPOLITISCHE UND INNERPOLITISCHE WANDLUNGEN
IN DER HANSE
1) Der Aufsatz gibt einen auf der Pfingsttagung 1924 des Hansischen Geschichts-
vereins in Danzig gehaltenen Vortrag wieder ohne spätere Erweiterungen. Anmerkungen
sind so sparsam wie nur möglich hinzugefügt.
2) Hier nur einige Andeutungen. Eingehend hoffe ich diese Fragen in meiner ‚,Sozial-
und Wirtschaftsgeschichte Lübecks bis zur Ausbildung der geschlossenen Stadtwirt-
schaft‘ zu behandeln.
3) Vgl. darüber oben S. 55ff.
%) Vgl. unten S, 130 und S. 254,
5) von Below bemerkt zu dem ersten Abdruck dieses Aufsatzes in der Historischen
Zeitschrift: „„In der Hist. Zeitschrift 131, S. 4, schildert Rörig die gesamte städtische
und ländliche Kolonisation des Ostens fast wie eine Familienpolitik einiger bürgerlicher
Geschlechter.“ (VSWG. Bd, 19, S. 331). Diese Wiedergabe stimmt insofern nicht, als
ich für die ländliche Siedlung wohl von einem ‚Wirken im großen Stile‘ gesprochen
habe, es mir aber durchaus fern gelegen hat, die ländliche Kolonisation als ein Werk
einiger bürgerlicher Familien hinzustellen. Als, Beleg auch für ländliche Kolonisations-
tätigkeit Lübecker Familien „großen Stils“ verweise ich auf die lehrreichen, leider zu
wenig beachteten Ausführungen von Chr. Krollmann, Zeitschr. d. Westpr. G. V.
Bd. 54, S. 51ff. — Für die städtische Besiedlung der Ostsee war es aber in der Tat so,
daß sie nach Initiative und Ausführung das Werk führender bürgerlicher Familien
gewesen ist. von Belows erstaunte Ablehnung dieses Satzes ist für mich ein Zeugnis
dafür, wie wenig diese für das ganze Verständnis der späteren Hanse grundlegende Tat-
sache bisher von der Literatur erkannt ist. Den Nachweis auf breiterer Grundlage behalte
ich mir vor.
5a) Vgl. dazu jetzt meine Ausführungen in: Die Schlacht bei Bornhöved, 1927, S, 14ff.
8) Vgl. die aufschlußreichen Ausführungen von E. Keyser, Die Bevölkerung Danzigs
und ihre Herkunft im 13. und 14. Jahrhundert, Pfingstblätter des Hans. Geschichts-
vereins 15, 1924, zu denen nur in Hinblick auf das oben im Text Mitgeteilte zu bemerken
wäre, daß der Anteil Lübecks an der Einwanderung höher einzuschätzen ist. Eine größere
Zahl der von Keyser für Westfalen, Hannover usw. in Anspruch genommenen Neubürger
sind in Wirklichkeit zweifellos als Lübecker Bürger nach Danzig gekommen, — Ähnliches
gilt doch wohl auch von der Herkunft der Elbinger Bevölkerung, die neuerdings A, Sem-
rau eingehend untersucht hat. (Mittlgn. d. Kopernikusvereins etc. zu Thorn, Heft 32,
1924, S. 9ff.). Namentlich unter den für Westfalen und Rheinland in Anspruch genom-
menen Einwanderern ergibt sich m. E. ohne weiteres die Lübecker Provenienz; so z. B.
für die Warendorp, und zwar nicht nur die Ratsherrnfamilie, sondern auch die Schuster-
familie, beide sind in sehr zahlreichen Vertretern in Lübeck nachweisbar; ferner z. B.
von den Attendorn, Lippia, Volmersten, Hagen, Soest, Alen, Vreden, Dilmen, Münster,
Minden, Widenbrugge, Gruten, Klot, Essen; Kölner, Kusveld (m. E. zu Unrecht unter
„Ostpreußen‘‘ gebucht). — Auch die Ausführungen von H. J. Seeger, Westfalens Handel
und Gewerbe, 1926, S. 152f. haben die Tatsache übersehen, daß die in Wisby vorkommen-
den Warendorp, Koesfeld, Kamen, Essen usw. sicher zum größten Teil aus Lübeck
gekommen sind; z. B. sind die Hinrich Warendorp und Johann Vischstrate, die er in
Dortmund beheimatet glaubt, sicher Lübecker Bürger. — Ähnliches gilt auch von den an
sich höchst verdienstvollen Zusammenstellungen von F. Techen, Hans. Gbbl. 1903,
S. 132ff. für Wismar. — In der Wertung der Bevölkerungszusammenhänge einer jüngeren
östlichen Stadt mit Lübeck und dem weiteren Westen dürfte bisher O0. Blümcke,
Stettins Hansische Stellung, Baltische Studien, Bd. 37, 1887, S. 103ff., der Wirklichkeit