Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

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V. Die Hanse und die nordischen Länder 
Es ist unmöglich, hier ein ins einzelne gehendes Bild dieser, sich um das 
Sundproblem in den 100 Jahren vor dem schlimmen Jahre 1535 gruppieren- 
den Vorgänge zu geben. jener Krieg mit Erich dem Pommern führte 1430 zu 
Reibungen mit den holländischen Schiffen, welche die Sundblockade durch 
die wendischen Städte nicht anerkennen wollten. Die Antwort war ein 
holländischer Kaperkrieg gegen hansische Schiffe. Er war der Vorgänger von 
vielen seiner Art. Noch einmal gelang es den wendischen Städten mit Hilfe 
des ihnen verpflichteten Königs Christof von Dänemark eine wirksame und 
gegen die Holländer gerichtete Sundsperre zu organisieren. Aber sobald 
Christof fest im Sattel saß und 1440 alle drei Unionsreiche unter seine Bot- 
mäßigkeit gebracht hatte, bediente er sich der Holländer, um sich von der 
wirtschaftlichen Vormundschaft seiner politischen Freunde zu befreien, 
ein Verfahren, das Gustav Wasa später wiederholte. Obendrein wirkte kaum 
etwas mehr verbitternd in den Reihen der Hanse selbst, als das Mittel der 
Sundsperre gegen die Holländer. Diese waren den östlichen Ostseehäfen 
bereits unentbehrliche Abnehmer geworden, mit denen man-sich durch das 
gemeinsame Interesse an der freien Sundfahrt verbunden fühlte. Und dazu 
setzte sich Lübeck bei jeder auf die Sundsperre hinzielenden Maßnahme dem 
Verdacht aus, sich auf Kosten der an der Sundfahrt gehinderten östlichen 
Genossen bereichern zu wollen. So schon im Kriege mit Erich dem Pommern, 
so in scharfen Ausdrücken 1440, so vielleicht am prägnantesten 1450. Damals 
faßte eine preußische Stimme ihr Urteil dahin zusammen: „Sicherlich: 
mögen die von Lübeck Krieg stiften, so kriegen sie die Fahrt zu ihnen und 
sind reiche Leute ..., so gedeihen sie, und wir müssen verderben.“ Man sieht, 
wie zersetzend die Sundfrage von dem Augenblick an wirkte, wo der Sund ein 
Schiffahrtsweg von europäischer Bedeutung wurde und dem politischen 
Einfluß der Hansen entzogen war. 
Der Abendröte vergleichbar vor dem Dunkel der einbrechenden Nacht 
sind die politischen Erfolge, die Lübeck noch zu Anfang des 16. Jahrhunderts 
in der skandinavisch-holländischen Frage vergönnt waren. Vor allem der 
Erfolg über Christian II. von Dänemark, jenen Christian, der durch seine 
Vermählung mit der Schwester des Erbherren der Niederlande für Lübeck 
ein ungewöhnlich gefährlicher Gegenspieler zu werden drohte. Wäre es nach 
ihm gegangen, so hätte damals eine Periode der Unterordnung weiter Teile 
Norddeutschlands, natürlich auch Lübecks, unter dänische Herrschaft und 
dänische Wirtschaftsorganisation eingesetzt. Aber die Überspannung der 
Ziele Christians, die durch sein herrisches Wesen noch unerträglicher wurden, 
führte Lübeck, Schweden und Danzig zusammen. Das fast Unglaubliche 
geschah: Lübecker und Danziger Schiffe, zusammen 36 große Fahrzeuge 
blockierten gemeinsam den Sund. In Schweden schüttelte Gustav Wasa die 
verhaßte Herrschaft Christians ab, in Dänemark selbst grub seiner Macht 
Friedrich I., im Aufstande gewählt, das Grab. Als Flüchtling verließ Christian 
1523 das Land.
	        
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