Full text : Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

V. Die Hanse und die nordischen Länder

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vollbracht hat. Noch im 13. Jahrhundert schien es so, als ob der eigentliche
 Mittelpunkt der deutschen Stellung in der Ostsee der Genossenschaft
 der deutschen Kaufleute, die Gotland besuchen, zufallen sollte.
Fortschritte in der Schiffstechnik, mehr noch das Aufkommen eines neuen
Kaufmannstyps, sind die inneren Ursachen, daß die endgültige Führung
des deutschen Kaufmanns in der Ostsee von den Beschlüssen der zufällig
auf Gotland anwesenden deutschen Kaufleute unabhängig gemacht und
nach Lübeck zurückverlegt wurde. Denn der neue Kaufmann der zweiten
Hälfte des 13. Jahrhunderts, der seinen Betrieb nun ganz auf den schriftlichen
 Verkehr aufbaute, hatte an einem so zentral gelegenen Platz wie
Lübeck das größte Interesse; von hier aus konnte er nun die Vorteile eines
schriftlich geleiteten kaufmännischen Betriebes wirken lassen, von hier als
dem Sitze seiner Geschäftszentrale durch kaufmännische Angestellte,
Kommissionsgeschäft und kaufmännisches Gesellschaftswesen in den verschiedenen
 Teilen seines wirtschaftlichen Interessengebietes gleichzeitig
wirksam sein. Was Gotland blieb, war die Stadt Wisby mit ihrer festangesessenen
 kaufmännischen Bevölkerung deutscher und schwedischer Herkunft.
 Aber jetzt war sie eine Stadt neben anderen, nicht mehr die Stätte der
Führung. Wisby ist aber nicht die einzige Stadt Schwedens, die der Tatsache
ihren Ursprung verdankt, daß eigentliches Städtewesen im Ostseegebiet
deutsche Schöpfung ist. Eben dieses Städtewesen war neben der überlegenen
Schiffahrtstechnik der zweite Grundpfeiler des schnellen wirtschaftlichen
Sieges der Deutschen in der Ostsee über den skandinavischen Bauernkaufmann
 der früheren Jahrhunderte; Stockholm und Kalmar sind als deutsche
Gründungen erwachsen, natürlich auch mit schwedischer Bevölkerung. Wie
stark aber der deutsche Anteil an ihrer Bevölkerung war, mag man daran erkennen,
 daß ihre Stadträte, genau wie auf Wisby, mit Schweden und
Deutschen zu gleicher Zahl besetzt wurden und im Rechte der Städte von der
deutschen Hanse standen. Gerade der kaufmännische Teil ihrer Bevölkerung
dürfte zum guten Teil deutscher Herkunft sein. Auch in anderen Städten ist
der deutsche Einschlag noch im 14. Jahrhundert sehr deutlich nachzuweisen:
Ich nenne Lödöse, den Vorläufer des heutigen Gotenborgs, auch Malmö. Es
bestand also eine weitgehende Verschmelzung deutscher und schwedischer
Bevölkerungsteile in Schweden, und in ihr möchte ich die Hauptursache des
im ganzen reibungslosen Verkehrs der Deutschen in Schweden erblicken‘).
Was den deutschen Kaufmann nach Schweden zog, das war neben dem
Fischreichtum des Landes vor allem sein Reichtum an Metallen, an Eisen und
Kupfer. Der Lübecker Kaufmann um die Wende des 13. zum 14. Jahrhundert
 hatte viel zu sehr auf den Erwerb gerichtete Instinkte, als daß er sich
den Handel mit Metallen, mehr noch, den Anteil an der schwedischen Metallerzeugung®)
 selbst hätte entgehen lassen. Großkaufleute wie der Ratsherr
Johann Klingenberg und der sehr geschäftsgewandte, auch an Geldgeschäften
            
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