VI. Das älteste erhaltene deutsche Kaufmannsbüchlein 185
Leibrente vor. Von sonstigen Legaten sind zwei von je 100 m. hervorzuheben,
von denen eins an seinen Neffen Hermann Warendorp fallen soll. Am deut-
lichsten tritt der Rentnercharakter unseres Hinrich aber in Bestimmungen
hervor, die sich auf einen Geistlichen, dns. Volrad Lassan, beziehen. Er, der
bereits im ersten Testamente bedacht war, soll auf Wunsch des Erblassers sein
Haus selbständig verwalten und seine Renten einziehen. Auch soll Hinrichs
Sohn Hermann bis zu seiner Volljährigkeit mit ihm wohnen. Dafür sollen
ihm reichlich bemessene Bezüge aus dem Nachlaß zufallen. Lehnt er das ihm
zugedachte Amt ab, so soll er trotzdem 20 m. Leibrente erhalten. Hinrich
hatte dem dns. Volrad Lassan gestattet, 5 Renten im Betrage von 24 m. und
Kapitalwert von 432 m., die er mit seinen eigenen‘ Mitteln erworben hatte,
auf Hinrichs Namen im Stadtbuch einzutragen, damit nicht er, sondern
Hinrich die Renten an die Stadt zu versteuern hatte. Daran soll nichts
zeändert werden.
Renten und abermals Renten, das ist der Inhalt dieses zweiten Testamen-
tes”). Renten hatte er auch beim Kloster Reinfeld gekauft, aber 1377 hatte
sie das Kloster zurückgekauft.
Wesentlich kürzer fiel das letzte Testament Hinrichs vom Jahre 1407 aus,
da es in der Hauptsache einfach seine Ehefrau und ihren Sohn als Universal-
erben einsetzte. Aber nicht unbedingt. Der Vater trägt Sorge wegen der
Lebensführung seines Sohnes; von dem mindestens Dreißigjährigen muß der
Vater annehmen, daß er sich nicht so führe, daß seine Mutter weiter in häus-
licher Gemeinschaft mit ihm leben wolle. In dem Falle wird er mit 30 m.
Rente abgefunden?®). Von dem Sohne ist nichts mehr zu berichten. In ihm
stirbt die Familie unseres Hermann, als sie Rentnerfamilie geworden war,
auch in ihrem jüngeren Zweige überraschend schnell aus. Es ist kein Zufall,
daß gerade unser Hinrich, der ausgesprochene Rentner, das einzige Mitglied
der Zirkelgesellschaft dieses Zweiges der Warendorp gewesen ist”?).
Noch deutlicher und schneller vollzieht sich der Niedergang bei den
Kindern Johann Clingenbergs. Die Töchter allerdings sind gut versorgt:
die eine als Ehefrau des Johann Wickede, des Sohnes des bekannten Rats-
herrn Hermann, die andere als Nonne in Rehna. Unter anderem war sie mit
15 m. d. Rente ausgestattet, die beim Rate belegt waren®). Um so trauriger
sah es mit dem einzigen Sohne unseres Johann aus. In den letzten Lebens-
jahren seines Vaters hatte er noch als dessen Vertreter handeln können®),
Nach des Vaters Tode ging es abwärts. Nicht als Gläubiger, sondern als
Schuldner ist er im Niederstadtbuch weiterhin belegt®?). Sein Testament
vom 19. April 1363 gibt ein deutliches Bild seiner Lage, Unter seinen Testa-
mentsvollstreckern sucht man vergeblich nach Namen aus der männlichen
oder weiblichen Verwandtschaft der Clingenberg. Zwar setzt er 10 m. d. für
die Marienkirche aus, um unter dem Grabstein seines Vaters seine letzte
Ruhe zu finden. Aber es war durchaus zweifelhaft, ob bei seinem Tode dieser