Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

226 VIE Großhandel und Großhändler im Lübeck des 14. Jahrhunderts 
ja seit 1371 und 1373 für oberes und unteres Gewandhaus zahlreiche Listen 
bis 1389 vor. Von den in ihnen genannten 220 Namen begegnen 1368 nur 
36 als Importeure von ausländischem Tuch. Sie führen im ganzen 67 Einzel- 
posten Tuch im Werte von 23492 $ 1. ein. Also } der importierten Einzel- 
posten mit reichlich + des Gesamtwertes fällt auf die Quote der Gewand- 
schneider. Der Gewandschneidereinfuhr in der Höhe von rund 23500 % 1. steht 
aber eine Einfuhr in der Höhe von 126500 % 1. gegenüber, die auf nicht am 
Gewandschnitt beteiligte Personen fällt. Unter den letzteren sind zweifellos 
eine Anzahl auswärtiger Kaufleute aus dem östlichen Ostseegebiet. In der 
Hauptsache aber doch Lübecker Kaufleute. Um nur einige Namen zu nennen: 
die Ratsherren Hinrich Constin, Hinrich de Loo, Hinrich Meteler, Hermann 
Osenbrugge, Johann Perceval, Jacob Plescow, Danquard vom See, Simon 
Swerting. Und von anderen im Wirtschaftsleben der Stadt hervorragenden 
Namen die Ankem, Camen, Crispin, Berenstet, Clingenberg, Ruschenberg, 
Rutensten, Wage, Warendorp. Das ist nur eine flüchtige Auslese. Jedenfalls 
steht fest: so viel Namen, so viel reine Großhändler, die nachweislich nichts 
mit Gewandschnitt zu tun haben?), 
Es ist nun aber keineswegs so, daß zwischen diesen reinen Großhändlern 
und den sogenannten Gewandschneidern eine tiefe wirtschaftliche oder 
gesellschaftliche Kluft damals bestanden hätte. Wie ich schon hervorhob, 
gehen ja noch in den siebziger und achtziger Jahren drei Ratsherren aus den 
Männern hervor, die Verkaufsplätze im Gewandhaus besaßen und als Rats- 
herren auch behielten. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß wir in den aus- 
gehenden Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts noch lange nicht in der zweiten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts sind, das in der Tat bereits den Gewand- 
schneider der späteren Zeit, den ausschließlichen, aber in dieser Ausschließ- 
lichkeit zugleich privilegierten Detaillisten für Tuch kannte. Dafür aber auch 
nur 20 oder höchstens 25. Wie weit man in den siebziger und achtziger 
Jahren des 14. Jahrhunderts davon noch entfernt war, ergibt sich am besten 
aus folgendem: Wer Mitglied einer Handwerkerzunft war, war es lebens- 
länglich. Ohne Zugehörigkeit zur Zunft keine Möglichkeit der Ausübung 
ihres Handwerks. Ganz anders unsere Gewandschneider, Gewiß gab es 
zahlreiche, die jahraus jahrein Verkaufsplätze im Gewandhaus erlosten. 
Andere aber, und unter ihnen im Handel sehr hervortretende Namen, 
nehmen in diesem Jahr einen Verkaufsplatz, verzichten aber in dem näch- 
sten auf den Gewandschnitt, um später vielleicht in das Gewandhaus 
zurückzukehren. Gleichzeitig treiben aber diese selben sogenannten Gewand- 
schneider Groß- und Fernhandel der verschiedensten Art, der mit dem 
Tuchhandel überhaupt nichts zu tun hat. An der Fahrt nach Bergen, über 
die wir durch Bruns’ treffliche Aktenpublikation so gut unterrichtet sind, 
nehmen 10 unserer „„Gewandschneider“ teil, und zwar an hervorragender 
Stelle, wie etwa Lambrecht Sluter, Nicol. Schonewolt und Werner Cusveld.
	        
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