Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

VIL Großhandel und Großhändler im Lübeck des 14. Jahrhunderts 229 
fielen dabei im Durchschnitt 22 Stück Tuch. Aus dem Handlungsbuch 
Johann Wittenborgs sind 22 Tuchverkäufe nachweisbar. Sie brachten einen 
Erlös von 2620 # 1. und bezogen sich auf 308} Stück Tuch. Auf den einzelnen 
Abschluß fallen hier nur 14 Stück; dagegen ist ihr Wert höher, da 
Wittenborg bessere Sorten einführte als die Brüder Gallin. Aus dem Nieder- 
stadtbuch läßt sich noch eine größere Zahl von Tuchverkäufen in Lübeck 
feststellen. Im ganzen konnte ich für die Zeit von 1340 bis 1368 immerhin 
93 Tuchverkäufe en gros in Lübeck nachweisen. Umgesetzt wurden in ihnen 
21154 Stück flandrisches Tuch zu 13093 %& 1. Das ist natürlich nur ein ver- 
schwindend kleiner Teil des wirklich in Lübeck vollzogenen Tuchgroßhandels. 
Denn die Zahl 13 093 $ 1.; die sich noch obendrein auf 18 Jahre verteilt, ist 
ungemein bescheiden gegenüber den 150 000 4% 1. der Tucheinfuhr des einen 
Jahres 1368 über Oldesloe. Viel wertvoller ist deshalb hier die Durchschnitts- 
zahl, die sich auf Grund der 93 Abschlüsse errechnen läßt. Demnach kamen 
auf einen Großhandelsverkauf in Lübeck im Durchschnitt 22—23 Stück 
Tuch im Werte von 140 % I. Das ist, wenn man die Preissteigerung von 
1340 bis 1368 mit in Betracht zieht, ungefähr gerade die Hälfte eines 1368 bei 
der Einfuhr von Oldesloe verzollten Einzelpostens an Tuch. Bei der Einfuhr 
über Oldesloe werden wir mit etwa 50 Stück Tuch im Einzelfalle zu rechnen 
haben, was einer Gesamteinfuhr von rund 23000 Stück Tuch über 
Oldesloe im Jahre 1368 entsprechen würde, 
Allzulange habe ich vielleicht beim Tuchhandel verweilt. Seine Bedeutung 
mag das zum Teil rechtfertigen, mehr aber die Tatsache, daß hier ein 
Grundproblem der mittelalterlichen Handelsgeschichte zunächst einmal 
für einen so führenden Platz wie Lübeck auf eine neue Basis zu stellen war, 
nämlich das Verhältnis von Großhandel und Gewandschnitt, Verweisen 
möchte ich immerhin ganz kurz auf den in den Händen Lübecker Kaufleute 
liegenden Großhandel mit Salz, über den kürzlich eine Hamburger Disser- 
tation sehr klare Aufschlüsse gebracht hat%*); erinnern möchte ich auch an 
den Getreidegroßhandel, auf den in diesen Beiträgen verschiedentlich 
hingewiesen werden konnte), Wegen der in der Literatur so sehr unter- 
strichenen Beziehungen des Tuchhandels zum Gewandschnitt ist aber der 
Nachweis des Tuchgroßhandels von prinzipieller Wichtigkeit, wenn man 
echten Großhandel für das 13. Jahrhundert als etwas Normales, nicht 
Ausnahmsweises, durch die Natur gewisser Waren bestimmtes nachweisen 
will. Um so kürzer muß ich mich bei der Besprechung des Handels mit Ost- 
waren fassen. 
Im Tuchhandel hatte um 1370 der Lübecker Kaufmann das Geschäft in 
der Hauptsache selbst in der Hand. Der Kaufmann aus Rostock, Stralsund 
und den baltischen Städten deckte seinen Bedarf, wenn auch nicht immer, 
in Lübeck, nicht in Flandern. Im Handel mit Ostwaren trat dagegen die 
Tätigkeit des Lübecker Kaufmanns nicht so beherrschend hervor. Hier
	        
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