Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

VII. Großhandel und Großhändler im Lübeck des 14. Jahrhunderts 241 
läufer der späteren Nürnberger Kolonie in Lübeck zu sehen haben. Über sie vgl. Rörig, 
Zs. f. Lüb. Gesch., Bd. 18, S. 214f, und die aufschlußreiche Arbeit von G. Fink, Die 
Lübecker Leonhardsbrüderschaft in Handel und Wirtschaft, Lübische Forschungen 1921, 
S. 325ff. Auch späterhin hat Johann Lange Geldgeschäfte internationaler Art vermittelt: 
Hans, U. B. Bd. V, Nr. 524; 1402. — Die nähere Kenntnis der Lübeck-Nürnberger Be- 
ziehungen hoffe ich noch durch eigene und meiner Schüler Untersuchungen zu fördern. 
Bisher verweise ich auf die Leipziger Dissertation (Maschinenschrift) von M. Stöckmann, 
Oberdeutschland und das hansische Wirtschaftsgebiet, 1923. 
4) Vgl. insbesondere Sombarts Kapitalismus, Bd. I, 4. Aufl., S. 280ff. Auf die 
einzelnen Werturteile über Lübecker und hansische Verhältnisse bei Sombart brauche 
ich hier nicht einzugehen; sie gehen, was die Frühzeit der Hanse und Lübecks be- 
trifft, von grundsätzlich falschen Voraussetzungen und unzureichender Quellenkennt- 
nis — vgl. z. B. unten S. 246 — aus. Sombart ist insofern dabei zu entschuldigen, als 
auch die Geschichtsforschung bisher unbesehen die spätmittelalterlichen hansischen Ver- 
hältnisse als auch für die früheren Jahrhunderte gültig annahm. Als Ausnahme nenne ich 
W. Stein, der für die hansische Frühzeit das Streben der Hanse nach Freiheit des Gäste- 
handels erkannt hat (H.Gesch.Bl. 1902, S. 133). Auch G.v. Below hat auf die Besonder- 
heiten des hansischen Handels hingewiesen (z. B. Probleme, S. 394f.), auch die Möglich- 
keit freierer Verhältnisse vor der Ausbildung der geschlossenen Stadtwirtschaft betont 
(Weltwirtschaftliches Archiv Bd. 9, S. 252). Man wird aber kaum sagen können, daß diese 
Erkenntnis in seinem Aufsatz über Großhändler und Kleinhändler in der Formulierung 
seiner Ergebnisse besonders zur Geltung käme. — Betonen möchte ich noch das Überein- 
stimmen meiner Ergebnisse mit denen von J. Strieder, Zur Genesis des modernen 
Kapitalismus 1904, S. 224. Auch in Lübeck bleibt als Quelle des Vermögens der Empor- 
kömmlinge nur der Handel übrig; diese Leute sagen es ja selbst, wie z. B. der im Text 
angeführte Bertold Rucenberg. Nur scheinen mir Strieders Ergebnisse durch die meinen 
jetzt für eine frühere Zeit gesichert zu sein. Die Einschränkung, die Strieder glaubte 
machen zu sollen, daß nämlich erst der Handel in Verbindung mit dem aufblühenden 
Webereigewerbe diese Folgen gezeitigt hätte, nicht dagegen „jener alte, handwerksmäßige 
Handel, wie er durch die Jahrhunderte städtischer Wirtschaft bestanden hatte‘ — scheint 
mir noch zu sehr von der Vorstellung des „handwerksmäßigen Handels‘* beeinflußt zu 
sein. Auf Grund meiner Lübecker Erfahrungen halte ich die Bezeichnung ‚„„handwerks- 
mäßiger Handel‘, jedenfalls als Bezeichnung für den gesamten Groß- und Fernhandel 
des Mittelalters, für unglücklich. Vielleicht trägt die Erkenntnis des scharfen Gegensatzes 
der fernhändlerischen Oberschichten in den Städten zu den handwerksmäßigen Kreisen, 
wie ich ihn in Beitrag VIII zu zeichnen hatte, dazu bei, der angeblich „handwerksmäßigen 
Gesinnung“ etc. jener Oberschichten skeptischer gegenüberzustehen. Zum Vergleich der 
von Strieder untersuchten Verhältnisse Augsburgs mit den hier behandelten Lübeckern 
ist aber immer zu beachten, daß Lübeck von einer „kapitalistischen Welle‘ zu Ende des 
13. Jahrhunderts ergriffen wurde, während für Augsburg gewiß eine spätere Zeit für einen 
ähnlichen Vorgang anzunehmen ist. 
55) „Item notandum est, quod de meis parentibus nichil recepi, de quibus alicui quic- 
quam teneor facere; sicut super hoc mori volo. Nam illa bona, que habeo, a juventute 
mea lucratus sum meo gravi cum labore.‘““ 
%) Diese Schicht ist es vorzugsweise, die sich damals in der „Zirkelgesellschaft“ gesell- 
schaftlich organisiert und abschließt. Der Kritik, die Below an der älteren Literatur über 
die Zirkelgesellschaft übt, kann ich mich nur anschließen (Probleme, S. 346, Anm. 3). 
Leider sind die Angaben bei W. Brehmer, Ztschr. f. Lüb. Gesch., Bd. 5, S, 393 ff., in den 
Einzelheiten nicht unbedingt zuverlässig. Z. B. findet sich der Name des Mitgründers der 
Zirkelgesellschaft, Hermann Moer, S. 395, der nach Brehmer Gewandschneider gewesen 
sein soll, nicht in den gleichzeitigen Gewandschneiderlisten. Der ‚„„Gewandschneider‘“ 
unter den Gründern, auf den v. Below a. a. O0. S. 347 Wert legt, ist also zu streichen. Wenn 
Rörig, Hansische Beiträge
	        
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