244 VII. Die Gründungsunternehmerstädte des 12. Jahrhunderts
hundert hat dem Mächtstreben des Bürgertums in einer Reihe der Bischofs-
städte in der Erlangung der Ratsverfassung einen endgültigen Erfolg ge-
bracht.
Es ist aber nicht so, als ob das aufstrebende Bürgertum des 12. Jahr-
hunderts in diesen Kämpfen seine ganzen Kräfte erschöpft hätte. Das gilt
schon nicht für die Bischofsstädte. Der in den Städten seßhaft gewordenen
Oberschicht der Fernhändler fiel der volle Ertrag ihres wirtschaftlichen
Aufschwungs zu; darüber hinaus, wenn auch noch auf Einzelgebieten,
Mehrung ihrer politischen Rechte. Dazu kam aber ein anderes. Gerade in
den führenden Städten war eine Differenzierung der sozialen, ja sogar der
topographischen Verhältnisse eingetreten, die dem Aufstieg der bürgerlichen
Oberschicht überaus günstig war. Man vergegenwärtige sich: Zu Anfang des
12. Jahrhunderts war in allmählicher Entwicklung der Typ der mittelalter-
lichen Stadt ausgereift. Die städtische Siedlung selbst hatte sich im Sinne
einer Anpassung an die wirtschaftlichen Zwecke der Händlerstadt immer
bewußter und praktischer differenziert, vor allem in der möglichsten Kon-
zentrierung der Verkaufs-, z. T. auch der Produktionsmöglichkeiten auf und
um den Markt, und damit zugleich in deren Trennung von den Wohnstraßen,
Mühlen, Badstuben und Backhäuser, Lagerhäuser und größere Höfe, die
zum Ansammeln landwirtschaftlicher Erträgnisse dienten, waren in der
Stadt verteilt; der Wert aller Baulichkeiten, auf die Handel und Gewerbe
angewiesen waren, war im Steigen?).
Baulichkeiten solcher Art waren aber im 12. Jahrhundert bereits das sehr
begehrte Objekt der Erwerbspolitik der bürgerlichen Oberschicht geworden;
wie das Beispiel von Köln zeigt, gehört Besitz solcher Art zur selbstver-
ständlichen Ausstattung der Geschlechter, Die Ausbildung dieser Oberschicht
ist aber zugleich eine sozialgeschichtliche Tatsache, die der Wirtschaft und
Verfassung Kölns ihr Gepräge gegeben hat; denn mag auch die umfangreiche
Kölner Literatur Ursprung, Umfang und Abgrenzung der Geschlechter-
herrschaft verschieden bestimmen: darin besteht jedenfalls Einmütigkeit,
daß nämlich die Geschlechter die führende und treibende Kraft der Kölner
Geschichte des 12. Jahrhunderts gewesen sind®). Sie waren die Seele der
Bewegung, welche auf die autonome Stadtgemeinde Köln hinarbeitete; mag
man dabei über die Stellung der Richerzeche im Verlauf des 13. Jahrhunderts
auch zu verschiedener Beurteilung neigen. Sie haben auch hinter jener ge-
waltigen baulichen Leistung der Kölner Bürgerschaft gestanden, wie sie
die Kölner Stadtbefestigungen der Jahre 1106 und 1180 darstellen; das
Werk der Bürgerschaft, nicht etwa des erzbischöflichen Stadtherrn*).
Absichtlich habe ich die Verhältnisse Kölns an die Spitze gestellt, nicht
nur weil Kölns innere Geschichte aufs gründlichste durchgearbeitet worden
ist, sondern weil Köln das glänzendste Beispiel jener alten Städte ist, in
denen einfrüh hochentwickelter Fernhandelseine tiefgreifenden Auswirkungen