254 VIIL Die Gründungsunternehmerstädte des 12. Jahrhunderts
notwendig, um die großzügige Einheitlichkeit dieses städteerzeugenden
deutschen Vorstoßes über Lübeck hinweg bis zum baltischen Ufer zu ver-
stehen; es bedarf ja nur eines näheren Studiums der führenden Namen der
Oberschichten jener Städte und der Lübecks, um zu sehen, wie sehr hier
überall die gleichen Namen der führenden Persönlichkeiten und mit ihnen
der gleiche Geist am Werke sind. Das gilt auch von einem großen Teil der
Gründungen des 13. Jahrhunderts am Südufer der Ostsee. So von dem
um 1218 gegründeten Rostock, wo von vornherein als bürgerliche Behörde
die consules auftreten, vermutlich auch hier im engsten Zusammenhang mit
dem Gründungsvorgang stehend®); das gilt von Wismar*) und Stralsund®),
und auch bei Danzig scheint die Wahrscheinlichkeit dafür zu sprechen, daß
Lübecker Fernhändler bei der neuen Marktgründung beteiligt waren*); das
zilt endlich auch für die östlichen Städte. Man bedenke, daß alle Hafen-
städte Preußens mit Hilfe der Lübecker gegründet sind®®). Elbing ist am
deutlichsten als Lübecker Gründung festzustellen®”). Aber hier in Preußen
traf die von Lübeck ausgehende Gründungstätigkeit noch in der ersten
Hälfte des 13. Jahrhunderts mit einer entsprechenden des Deutschen Ordens
zusammen, die auf die Gründung von Städten mit stärkerer Betonung des
landesherrlichen Einflusses abzielte; lübeckische Unternehmer beim Kolo-
nisationswerk waren von da an nur willkommen, wenn sie sich als ländliche
oder städtische Lokatoren dem Siedlungsplan des Ordens unterordneten®®).
Als solche haben sie um die Mitte des Jahrhunderts noch im größten Stile
am Kolonisationswerk in Preußen sich beteiligt; aber der selbständigen
Gründungspolitik Lübecks war nunmehr ein Ziel gesetzt. Das zeigt sich am
deutlichsten in dem Abbruch der Verhandlungen über die Gründung einer
Hafenstadt im Samland zwischen Lübeck und dem Deutschen Orden. Auch
hier ging die Erkenntnis des wirtschaftlichen Nutzens einer Kaufmannsstadt
an der Pregelmündung von Lübeck aus; der Lübecker Plan, die Stadt in der
üblichen Form von Lübeck aus zu gründen, ausgestattet mit der Rats-
behörde der Unternehmer, fand 1242 günstige Aufnahme beim Orden; als
aber 1246 der Orden einen Schiedsspruch dahin erzielte, daß die Gründung
der Stadt Sache des Ordens sein sollte, gab Lübeck den Plan auf®*); der
Orden hat dann späterhin Königsberg von sich aus gegründet. Wenige Jahre
später scheiterte ein weiterer, letzter Gründungsplan Lübecks abermals an
dem Widerstreben der jetzt so viel selbstbewußteren landesherrlichen Gewalt.
Diesmal handelte es sich um den entgegengesetzten Teil des lübischen
Interessengebietes: um Flandern. Was Lübeck hier plante, war eine ge-
schlossene Niederlassung der in Flandern tätigen Osterlinge. Eine städtische
Siedlung Neu-Damme*) sollte bei Brügge entstehen. Auch hier ging die
landesherrliche Regierung zunächst auf den Plan ein; es war im Jahre 1252,
Aber sie stellte Forderungen, wie sie nicht nach dem Sinne der alten Lübecker
Gründungspolitik waren. Dahin rechne ich namentlich das Verlangen, daß