Full text : Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

VIIL Die Gründungsunternehmerstädte des 12. Jahrhunderts

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ANMERKUNGEN ZU VIII:
DIE GRÜNDUNGSUNTERNEHMERSTÄDTE DES
12. JAHRHUNDERTS

1) Vortrag, gehalten am 7.Oktober 1926 auf der Tagung der deutschen Historiker in
Breslau, erweitert insbesondere durch Hinzufügen der notwendigen Verweisungen auf
Quellen und Literatur. — Das vorgestellte Motto habe ich dem Aufsatz von H. Bächtold
über die Aufgaben der handelsgeschichtlichen Forschung, Jbb. f. Nat. u. Stat. N. F.,
Bd. 45 (1913), S. 804, entnommen. Der Aufsatz ist mir erst im September 1927, also
während des Drucks, bekannt geworden. Ich habe es um so lieber noch nachträglich
gewählt, da in der Debatte nach meinem Vortrag in Breslau von K. Frölich und G. von
Below Bedenken in dem Sinne geäußert waren, als ob ich „die Wichtigkeit des Fernhandels
 für das Aufkommen der Gründungsstädte‘ überschätzt hätte. Vgl. Bericht über
die 15. Versammlung Deutscher Historiker, 1926, S. 61f. — Es ist ein eigenes Zusammentreffen,
 daß ich ein Jahr nach meinem Breslauer Vortrag festzustellen habe, daß über ein
Jahrzehnt vorher als Vermutung aufgestellt wurde, was jetzt in der logischen Weiterentwicklung
 meiner Lübecker Studien in breiter quellenmäßig gesicherter Begründung
erwiesen vorliegt. Die Übereinstimmung in einzelnen Gedankengängen bei Bächtold und
mir ist verblüffend: So, wenn er Regensburg und Westfalen, insbesondere Soest, als „die
beiden hervorragendsten Zentren unternehmenden Händlertums‘‘ bezeichnet, und vermutet,
 daß Kaufleute „im altdeutschen Kulturgebiet eine nicht zu unterschätzende, oft
initiative, Rolle‘ beim Gründungsvorgang der Städte des deutschen Ostens gespielt hätten.
Sogar Lübeck und Wien werden bei Bächtold bereits in diesem Zusammenhang genannt.
Ich stelle dieses Zusammenstimmen mit der gleichen Befriedigung fest, wie ich es oben im
Hinblick auf einen Aufsatz von Th. Mayer tun konnte. (S. 91f.) — Die Einwendungen
K,. Frölichs gegen die Bedeutung der fernhändlerischen Oberschichten für die Stadtgründungen
 dieser Zeit sind insofern nicht recht verständlich, als Frölich selbst in seiner
jüngsten Untersuchung über Goslar für Goslar die Bedeutung der kaufmännischen Oberschicht
 ganz im Sinne meiner Darstellung der Dinge gewertet hat. Vgl. unten Anm. 7a.
2) Die dadurch entstandene Differenzierung der Bodenwerte, insbesondere der Steigerung
 der Marktbaulichkeiten, auch für die alten Städte, beleuchtet gut die kurze Zusammenstellung
 bei L. v. Winterfeld, Handel, Kapital und Patriziat in Köln. Hans.
Pfingstbil. 1925, S. 66.
3) Vgl. dazu jetzt vor allem R. Köbner, Die Anfänge des Gemeinwesens der Stadt
Köln, 1922; z. B. S. 539; 109ff.
4) Vgl. J. Hansen, Köln, Stadterweiterung, Stadtbefestigung, Stadtfreiheit im
Mittelalter, 1911.
4a) Vgl. dazu jetzt J. Kretzschmar, Zs. f. Lüb. Gesch. etc. Bd. XXIII, S. 38ff.
5) So S. Rietschel, Markt und Stadt, S. 167f.
') Über die älteren Zeugnisse für deutsche Händlertätigkeit in der Ostsee vor der
Gründung Lübecks vgl. jetzt die sorgfältigen Zusammenstellungen bei A. Hofmeister,
Heinrich der Löwe und die Anfänge Wisbvs. Ztschr. d. Ver. f. Lüb. Gesch. u. Akde,
Bd. XXIII, S. 45ff.
7) Mit Bächtold, Der norddeutsche Handel im 12. und beginnenden 13. Jahrhundert,
1910, S. 293 und A. Hofmeister, a. a. O. S. 51 erblicke ich in dem vor der Gründung
Lübecks vorhandenen Handel der Deutschen in der Ostsee einen der wichtigsten Gründe
für das schnelle Aufblühen Lübecks; mehr noch: die imponierende Größe der Gesamtanlage
 Lübecks bei seiner Neugründung von 1158 ist ohne ein auf wirtschaftlichen Erfahrungen
 beruhendes Zutrauen zu den Zukunftsmöglichkeiten des Ostseegebietes nicht
zu verstehen: die fertig organisierte städtische Niederlassung folgt den vorausgehenden
 Handelsreisen, nicht umgekehrt.
            
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