NACHTRAG.
Da ich mich bemüht habe, den Zusammenhang mit der allgemeinen
Literatur bis zum Abschluß des Druckes herzustellen, so möchte ich noch
nachträglich auf den Vortrag von Bruno Kuske, Die Entstehung der
Kreditwirtschaft und des Kapitalverkehrs, Sonderdruck aus “Kölner Vor-
träge, veranstaltet von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen
Fakultät der Universität Köln, Winter-Semester 1926/27‘, Band I, hin-
weisen. Kuske, der wie ich, von einer genauen Kenntnis der ungemein reichen
archivalischen Quellen einer der beiden für die Handelsgeschichte des
14. Jahrhunderts bedeutendsten deutschen Städte ausgeht — bei Kuske ist
es Köln, bei mir Lübeck — kommt zu genau demselben allgemeinen Ergebnis,
daß sich für den, der „von einer geduldigen und nicht durch Theorien be-
lasteten Durchsicht vieler Quellen‘‘ (S. 34) ausgeht, sich sofort nicht etwa
einzelne Angaben Sombarts, sondern der gesamte Aufbau der Sombartschen
Gedankengänge für das Mittelalter als nicht zutreffend herausstellt. Was
Kuske über die Wirtschaftspsyche des „mittelalterlichen Menschen“ etwa
S. 5f. oder S. 34 sagt, entspricht daher vollständig dem von mir im Text an
den verschiedensten Stellen gezeichneten Bilde. Wenn Kuske insbesondere
Sombart gegenüber nachweist, welch starke Rolle im Wirtschaftsverkehr
des Mittelalters die Kreditwirtschaft gespielt hat, und zwar gerade im Ver-
kehr von Kaufmann zu Kaufmann, so stimmen auch hier selbstverständlich
unsere Ergebnisse überein. Ich hatte diese Dinge hier nur zu streifen ; immer-
hin verweise ich auf Beitrag III (S. 133f.); Beitrag VI (S. 177; 183) und
Beitrag VII (S. 218f.). Insbesondere ergeben sich bei Kuske enge sach-
liche Berührungen zu meiner Darstellung des spätmittelalterlichen Kauf-
manns, wie er war, und nicht wie er immer noch von einer falschen Theorie
gezeichnet wird; ich verweise auf Kuske $. 38 zu meiner Darstellung S. 217ff.
und das, was Kuske über die „Schriftlichkeit‘‘ des spätmittelalterlichen
Kaufmanns Anm. 129 ausführt, zu S. 234f. Anm. 6, Als eins der allerwichtig-
sten Zeugnisse der großhändlerischen Kreditwirtschaft des Mittelalters hat
das 1277 angelegte Lübecker Niederstadtbuch zu gelten, aus dessen ältestem
noch erhaltenen Band (1325 beginnend) namentlich in Beitrag VI und VII
manches mitzuteilen war. — In Ergänzung der Kuskeschen Ausführungen
sei hier noch außer auf die Einrichtung von städtischen Schuldbüchern für
den kaufmännischen Privatverkehr (ihr vornehmster Vertreter das Lübecker
Niederstadtbuch) noch auf die Yperner Meßbriefe verwiesen. Vgl. Des
Marez, La lettre de foire a Ypre au XIII siecle in: Me&moires couronnes
d’Academie, 60. Bd. Brüssel 1901; dazu Huvelin, Revue historique, Bd. 77,
S. 152{ff.