Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

46 
II. Der Markt von Lübeck 
bleibende Zahl von sechs Buden unter dem Namen ‚„schilderebode‘ oder 
‚schildereboden“‘ erreicht. 
Ähnliches gilt von den Goldschmiedebuden (Block XVI1); das städtische 
Einnahmeverzeichnis von 1262 kennt noch keine Goldschmiede auf dem 
Markte. Das älteste, 1283 beginnende Kämmereiheft erwähnt hier 8 
städtische Verkaufsplätze an der Marktfront, 6 an der Straßenfront, die 
übrigens nicht ausschließlich Goldschmieden eingeräumt waren. Aber erst 
im Jahre 1316, offenbar im Zusammenhang mit dem kurz vorhergehenden 
ersten Erweiterungsbau des Rathauses nach Süden hin, begegnen wir hier 
nach Markt und Straßenseite je 12 Werkstätten der Goldschmiede!*). Also 
auch dieser städtische Budenblock wird erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts 
ausgebaut, 
Daß der Brennpunkt des städtischen Eigentums auf dem Markt, der die 
heutige Rathausanlage umfassende Block XVI, in fortgesetzter Bewegung 
sich befand, hat die Forschung über das Lübecker Rathaus ja immer wieder 
vor neue Rätsel gestellt. Über den Kern dieser Anlage, die beiden ohnehin 
durch gewisse bauliche Merkmale als einheitlichen Bau gekennzeichneten 
beiden Langhäuser an Breiter Straße und Engem Krambuden, habe ich mich 
an anderer Stelle geäußert?), Ursprünglich, in der ersten Hälfte des 13. Jahr- 
hunderts, waren beide Langhäuser, die erst 1361 ihre heutige Verlängerung 
nach Norden zu erhielten, als Kaufhäuser gebaut. In erster Linie dienten sie 
den Gewandschneidern. Zwischen 1225 und 1250 ändert sich das Bild: der 
Rat räumt das von ihm bisher als Versammlungs- und Gerichtshaus benutzte 
xJeine älteste Rathaus (Block VI, 242), überläßt es den Lohgerbern und 
Weißgerbern?!), denen sich um 1300 die Wollenweber zugesellen, und verlegt 
seine Tätigkeit in den ersten Stock des an der Breiten Straße liegenden Lang- 
nauses. Das Rathaus wandert also hinüber zum Gewandhaus. Noch aber 
bleiben auch im Langhaus an der Breiten Straße im Erdgeschoß die Gewand- 
schneider, und zwar gerade die im Rate vertretenen Gewandschneider- 
familien; noch bleibt die alte Benutzung des Hauses so bedeutsam, daß 
erst 1307 zum erstenmal die neue Verwendungsart in der Bezeichnung con- 
zsistorium sich ausdrückt. Noch acht Jahre des Schwankens — dann ver- 
schwinden die letzten Gewandschneider aus dem nunmehr nur noch als 
Rathaus bezeichneten Langhaus an der Breiten Straße. Noch im 13. Jahr- 
hundert tritt Begriff und Räumlichkeit des Rathauses durchaus zurück 
hinter Begriff und Räumlichkeit von Gewand- und Kaufhaus; das 14. Jahr- 
nundert bringt die Verschiebung zugunsten des Rathauses. 
Mit der Frage nach dem Verhältnis von Rathaus und Gewandhaus sind 
aber die Rätsel des Blockes XVI noch nicht alle gelöst. Weder ist anzu- 
nehmen, daß schon zur Zeit der ersten Marktanlage der von den zwei Lang- 
häusern eingenommene Raum von den Gewandschneidern in Anspruch ge- 
1ommen wurde. noch daß der Raum. mit dem 1361 der Verlängerungsbau
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.