11. Der Markt von Lübeck
IV.
Die Aufstellungen der Tabelle III in ihren Gruppen B und C lassen bereits
die Verteilung wichtiger Gewerbe auf dem Markt beim Ausgang des 13. Jahr-
hunderts ohne weiteres erkennen. Den freien Platz des Marktes bevölkerten
Händler und Höker mit den verschiedensten Waren; vor allem aber Hand-
werker, die nicht auf dem Markte selbst ihr Gewerbe trieben, aber, wenn
sie es wollten, mit ihren Waren an Markttagen auf den Markt zogen. So z. B.
die Grapengießer, so aber auch, wenigstens noch um das Jahr 1300, außer
diesen: Beutler, Riemer, Schnallenmacher, Leinwandweber, Altflicker,
Schachtschneider, Glaser und Haardeckenmacher; seit 1333 auch Bett-
deckenmacher. Auf dem offenen Markte standen auch auswärtige Händler
unter gewissen Beschränkungen aus. In Kaufhäusern und Bänkehallen
konzentrierte sich der gesamte Warenabsatz von Gewandschneidern,
Fleischern, Bäckern, Gerbern, Wollenwebern und Kürschnern. In Verall-
gemeinerung dieser Tatsachen nahm man an, daß sämtliche Ämter ihre
Verkaufsstände nebeneinander hatten®). Daß diese Annahme für das aus-
gehende 13. Jahrhundert nur sehr bedingt zutrifft, zeigt ein näheres Ein-
gehen auf die Verhältnisse der Einzelbuden. Trotz der Bezeichnung der
einzelnen, im städtischen Eigentum befindlichen Budengruppen nach be-
stimmten Gewerben finden sich unter den Mietern fortgesetzt Namen aus
anderen Berufen: ein Blick in die Rubrik „Beruf der Mieter‘ von Tabelle III
Gruppe A gibt hier lehrreiche Aufschlüsse; dabei macht diese Rubrik nicht
einmal Anspruch auf Vollständigkeit. Als interessante Einzelheit sei immer-
hin hervorgehoben, daß in der mit corduvanere et institores bezeichneten
Gruppe (VI 242 A—E) für die Jahre 1283—1295 der scriptor Hinrich de
Molne sich als Mieter von vermutlich 242 E nachweisen läßt; zwei weitere
scriptores treten in den bodae retro turrim b. Mariae auf; davon einer in
dem damals noch „novae bodae craterariorum‘‘®) genannten Teil dieser
Budengruppe. Außerdem waren die beiden mittleren der 12 kemmerbodae
um 1316 höchstwahrscheinlich von Schreibern besetzt. Trotzdem wird man
sagen dürfen, daß noch um 1300 in den Filzerbuden, Schilderbuden, Gold-
schmiedebuden, Gärtnerbuden und den Buden des Heringshauses Hand-
werker der genannten Art so überwogen, daß die Bezeichnung als gerecht-
fertigt gelten kann. Andrerseits gibt der Übergang der ehemaligen Verkaufs-
stände der Handschuh- und Bechermacher in die, verschiedenen Berufen
dienenden Kämmerbuden und Buden hinterm Marienkirchturm einen deut-
lichen Hinweis, daß die Marktorganisation damals weit beweglicher war, als
man das zunächst annehmen möchte. Diese Beobachtungen treffen, vielleicht
in noch höherem Maße, auf die im Privatbesitz befindlichen Buden zu.
Immerhin überwiegen auch hier um das Jahr 1300 in einzelnen Budengruppen
noch so sehr Handwerke derselben Kategorie, daß man sie wenigstens für