IL Der Markt von Lübeck
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fach erwähnte Überbau der Blocks I1—VI mit Filzerbuden statt, der im
ganzen 19 Filzern die Teilnahme am Marktverkehr ermöglichte!®). Eine
Vereinbarung zwischen der Stadt, den Eigentümern der überbauten Schuster-
buden und den Filzern war zu diesem Zwecke notwendig; bei der älteren
Anlage der Blocks XVII1L—XIX und XXI bedurfte es nur einer Verein-
barung zwischen Unternehmern und den Interessentengruppen, Da 1262
nur 2 Filzer in Marktbuden erwähnt werden, gelang es der größeren
Zahl von ihnen erst nach 1285, am Marktverkehr teilzunehmen***). Denn
vor 1285 sind Filzer auch auf dem offenen Markte nicht belegt; sie werden
also aus ihren Arbeits- und Verkaufsstellen in der Stadt überhaupt erst
nach 1285 — mit Ausnahme der 2 schon 1262 nachweisbaren — auf dem
Markt, d. h. in den Marktbuden, erschienen sein. Bei anderen Handwerker-
gruppen ist auch noch seit dem Ende des 13. Jahrhunderts das Bestreben
nachweisbar, die ihnen bis dahin zur Verfügung stehenden Verkaufsplätze
auf dem Markte zu verlassen und in die festen Marktbuden einzudringen;
noch damals wie zu früheren Zeiten war der offene Markt mit einem Stau-
becken zu vergleichen, das immer bereit war, einen leeren Raum innerhalb
der verfügbaren festen Buden auszufüllen, sobald sich nur ein solcher zeigte.
Hierher gehören namentlich die Riemenschneider. Schon zur Zeit der ersten
Oberstadtbucheintragungen, zu Ende des 13. Jahrhunderts, haben sich die
Riemenschneider am Ausgang vom Markt zum Kohlmarkt festgesetzt; in
den Buden 268 A—B im Block XXI, in 234 A, vermutlich auch in 233 in
Block II, in 232 B in Block I. In der Folgezeit haben sie dann die Schuster-
buden der Blocks II, IV und VI, zum Teil auch die dahinter liegenden
Krambuden aufgekauft; zugleich gelangten die ehemaligen Filzerbuden in
ihre Händel®), Es gelang ihnen das dank ihres, den Schuhmachern jeden-
falls überlegenen Wohlstandes!®), der sie den Budeneigentümern als will-
kommene Käufer erscheinen ließ. Die Schuster mußten ihnen weichen’).
Bemerkenswert und von typischer Bedeutung für die Verschiebungen auf
dem Lübecker Markt im 14. Jahrhundert ist, daß die einzelnen Riemen-
schneider mehrere Buden nebeneinander erwerben und sie zu Geschäfts-
und Wohnhäusern ausbauen, So erfolgreich haben sich die Riemenschneider
schon in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in den Blocks II, IV und VI
festgesetzt, daß 1355 die Lage der damals bereits zu einem Hause gewordenen
Budengruppe VII 243 bestimmt werden konnte als: „sita ex opposito seu
transverso tenebrosarum crambodarum et bodarum corrigicidarum?*);
bezeichnenderweise wird die Abgabe der Riemenschneider von ihren Ver-
kaufsplätzen auf offenem Markt, die seit 1262 nachweisbar ist, 1349 zum
letztenmal bezahlt; damals werden die letzten Riemenschneider den offenen
Markt verlassen haben. Etwa gleichzeitig verschwinden Beutelmacher und
Schnallenmacher vom Markte; die 1262 auf offenem Markte begegnenden
Ringfeiler werden schon 1316 nicht mehr auf dem Markte erwähnt: sie alle