Full text : Gesellschaftslehre

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Zustand erhalten hat, daß der Inhalt der Mitteilung und die mitteilende Person als
eine Einheit erlebt werden, zeigt sich in überraschender Weise bei der Prüfung der
Frage, wovon der Erfolg bei Vorlesungen oder Vorträgen abhängt, ob mehr von dem
dargebotenen Inhalt oder von der Art der Persönlichkeit. Es gibt freilich einen Typus,
bei dem lediglich der Nugen die Bewertung bestimmt. Im allgemeinen aber gilt hier
in breiter Ausdehnung der Sag, daß die Persönlichkeit viel mehr als der Inhalt
über den Erfolg entscheidet: Vorträge und Vorlesungen werden stark besucht, obwohl
der Zuhörer inhaltlich wenig oder nichts sich aus ihnen anzueignen und mit nach
Hause zu nehmen vermag; und umgekehrt kann ein wertvoller Inhalt geringe Beachtung
 finden, weil die Persönlichkeit durch ihren Gesamteindruck nicht lockt. Es
ist äußerst lehrreich zu sehen, mit welcher elementaren Macht selbst bei einem geistig
 hochstehenden Publikum die ursprüngliche Totalität des Eindrucks und das Übergewicht
 der Persönlichkeit in ihm sich zur Geltung bringt. (Vgl. S. 148.)

Die verbale Beeinflussung.

6. Wir haben noch die Frage zu beantworten: welche Personen
 (oder Gruppen oder sonstigen objektiven Gebilde) finden Glauben
 und welche Unglauben? In allgemeiner Form haben wir bereits
darauf geantwortet: die Gläubigkeit herrscht typischerweise in der Gemeinschaft,
 die Ungläubigkeit in dem Gegenteil der Gemeinschaft. Nur
der erste Punkt sei hier etwas weiter ausgeführt. Die Bereitwilligkeit
zur gläubigen Annahme ist an sich wieder verschieden stark ausgeprägt,
je nach der Persönlichkeit, die sie beansprucht. Man kann häufig beobachten,
 daß ein und dieselbe Behauptung, die in einem Munde gar keinen
Eindruck macht, wenn sie aus einem anderen Munde ertönt, sofort willige
 Annahme findet. Der Grund kann hier also nur in der Art der Persönlichkeit
 liegen. Wir sehen dabei ab von solchen Fällen, in denen rationale
 Gründe für eine solche Unterscheidung, z. B. die unmittelbare Wirksamkeit
 eines besonderen fachmännischen Wissens oder Könnens, vorliegen.
 In den anderen Fällen spielt namentlich das Selbstbewußtsein,
wie es sich in der Form der Mitteilung bekundet, der von der Persönlichkeit
 ausgehende Gesamteindruck, endlich überhaupt der ganze Inbegriff
von Eigenschaften eine Rolle, die den Unterordnungstrieb erregen oder
die Autorität begründen. Wir sehen natürlich auch von denjenigen Fällen
 ab, in denen sich die autoritative Person mit ihrer Gefühlsseite für
ihre Mitteilung einsegt, in denen sie also durch ihre Ausdruckshaltung
ihren der Mitteilung entsprechenden Affekt lebhaft kund tut; denn hier
liegt der früher erörterte Fall der Gefühlsübertragung vor.
Die Autorität erhöht also die Gläubigkeit außerordentlich.
 Der Führer zeigt hier seine Führereigenschaft wieder von
einer neuen Seite: er herrscht über die Seelen auch darin, daß er ihre
Überzeugungen wesentlich zu bestimmen vermag. Die Tendenz des Geführten,
 die verehrte Persönlichkeit sich nach Möglichkeit ganz anzueignen,
 enthält auch die Willigkeit in sich, seine Anschauungen und seine
Denkweise in sich aufzunehmen. Und zwar geht die Aufgeschlossenheit

Vierkandt. Gesellschaftslehre
            
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