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kaum ein Zweifel bestehen. Schon die elementare Stärke des Triebes
spricht dafür. Bei dem Drange des kleinen Kindes nach seiner Mutter
oder Pflegerin und seiner Abneigung gegen das Alleinsein könnte man
vielleicht noch daran denken, das Pflegebedürfnis als hinreichende Ur-
sache anzusprechen. Wenn sich aber später das Bedürfnis nach dem Zu-
gammensein mit seinesgleichen mit elementarer Stärke bemerklich macht,
kann an der Instinktgrundlage kaum ein Zweifel sein. Sichergestellt
wird der Instinktcharakter sodann durch die übrigen sozialen Anlagen
des Menschen: diese würden ohne ihn in der Luft schweben. — Daß die
Menschheit von Anfang an gesellig gelebt hat, ist übrigens auch ange-
sichts der Tatsache der Sprache: und des Werkzeuges selbstverständlich
(um uns auf diese beiden Kulturgüter zu beschränken, ohne die wir uns
ein Menschentum im kulturellen Sinne überhaupt nicht denken können):
auch die einfachsten Anfänge einer Sprache können nicht ohne sozialen
Verkehr entstehen; und die Intelligenz, die sich in der Benugung von
Werkzeugen betätigt, segt wiederum die Sprache voraus.
Der Ursprung unseres Instinkts weist mit Wahrscheinlichkeit über die
Menschheit zurück. Es ist wahrscheinlich, daß die menschliche Sprache und
Intelligenz angesichts ihrer großen Überlegenheit über die vergleichbaren tierischen
Erscheinungen bereits eine Vorgeschichte besigen, die Sprache insbesondere eine
solche in Gestalt einer regen Ausdruckstätigkeit, die nur bei einem sozialen Verkehr
denkbar ist. Darnach müßten auch die tierischen Vorfahren der Menschheit als
gesellig vorgestellt werden.
Wie stark auch bei den gesellig lebenden Tieren das Gesellig-
keitsbedürfnis ist, erkennt man an den Ausnahmefällen, in denen es u n-
befriedigt bleibt. Nach Wolfgang Köhlers Beobachtungen ist „der
Gruppenzusammenhang von Schimpansen als eine ganz reale Kraft von
erstaunlichem Betrag einzuschägen. Das sieht man deutlich bei jedem
Versuch, ein einzelnes Tier aus einer stark ineinander gewöhnten Gruppe
herauszunehmen. Ist dergleichen noch nie oder seit langem nicht mehr
geschehen, so ist es zunächst das einzige Bestreben des Abgetrennten,
sich wieder mit der Gruppe zu vereinigen. Sehr kleine Tiere haben
dann natürlich Angst und diese bis zu Extremen der anschaulichen
Äußerung, daß man es bisweilen einfach nicht über sich bringt, die Iso-
lierung aufrecht zu erhalten; größere, bei denen kein Symptom gerade
von Angst zu sehen ist, jammern, schreien und toben, wüten gegen die
Wände des Aufenthaltsraumes und bringen sich, sieht etwas nur entfernt
wie ein Weg zu den andern hin aus, ohne weiteres auf diesem in Lebens-
gefahr, nur um in den Schoß der Gruppe zurückzugelangen. Noch wenn
sie von Verzweiflungsausbrüchen ganz erschöpft sind, hocken sie wim-
mernd in einer Fcke. bis die Kraft zu neuem Toben wiedergekehrt ist‘).
3} Psychologsche Forschune I. 11.