Full text : Gesellschaftslehre

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aus würde hier statt dessen das allgemeinere Problem der Stileinheit der
Kultur anzusegen sein.
Kantorowicz unterscheidet zwischen der Soziologie als selbständiger
 Wissenschaft und der Soziologie als Hilfswissenschaft (in dem
Sammelwerk: Hauptprobleme der Soziologie, Erinnerungsgabe für Max
Weber, I. 75 flg.). Die Soziologie in der ersteren Eigenschaft ist eine
selbständige systematische Wissenschaft, und zwar die Wissenschaft von
den Gesellschaften. Die Gesellschaft ist dabei durch seelische Wechselwirkung
 gekennzeichnet (S. 78). Die legtere soll sich jedoch nur durch
Handlungen vollziehen: Gesellschaften sind Beziehungen von Menschen,
die ihr Handeln wechselseitig aufeinander einstellen, -die also in seelischer
 Wechselwirkung stehen (S. 78). Wegen der grundsäglichen Wichtigkeit
 sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß hier der Begriff Wechselbeziehung
 viel zu eng gefaßt ist. Es ist eine positivistisch-rationalistische
Verengung, zu meinen, nur durch Handlungen vollzögen sich solche Wechselwirkungen.
 Tatsächlich kommen hier Dauerzustände in Frage von der
Art der Gesinnungen (z. B. Gemeinschafts- oder Kampfgesinnung). Und
diese Gesinnungen tun sich einerseits auch im ruhenden, also nicht aktualisierten
 Zustande durch die Ausdruckstätigkeit und Ausdruckshaltung
kund; andererseits gehen sie als Färbung in den Gesamtzustand des Bewußtseins
 mit ein. Die Bedeutung, welche die solcher Gestalt dauernd
ausgeübte Ausdruckstätigkeit und -haltung für den Bestand und das
Gleichgewicht der Gesellschaft besigt, werden wir später ausführlich erörtern
 ($ 13). Ebenso werden wir später die Gemeinschaftsgesinnung
als dauernden Zustand von ihrer Aktualisierung durch gelegentliche
Handlungen unterscheiden ($ 18,3).
Die Soziologie zerfällt nach K. in einen allgemeinen und einen besonderen
 Teil. Der allgemeine umfaßt die Formalsoziologie, bei deren
Aufgabebestimmung man sich nicht zu ängstlich an Simmel anschließen
darf. Sie hat „als Lehre von den Kategorien des gesellschafilichen
Lebens überhaupt eine große auch praktische Bedeutung“ (S. 88), nämlich
 für alle Wissenschaften vom gesellschaftlichen Leben und alle Erörterungen
 über die Probleme des legteren. Den besonderen Teil gliedert
 unser Autor in die folgenden drei Unterteile. 1. Zu den verschiedenen
 Gesellschaften gehört auch diejenige, die Träger der Kultur ist,
die „bürgerliche Gesellschaft“. Darum hat die Soziologie die Aufgabe,
die Geseße dieser Gesellschaft als der Verwirklichung der Kultur zu begreifen.
 Es sind das sowohl die StrukturgeseBe des Nebeneinander wie
die Entwicklungsgeseße des Nacheinander (S. 85). Gemeint ist eine theoretische
 Wissenschaft von der Kultur, die die Grundlage abgibt für die
Kulturgeschichte und die Kulturpolitik (S. 77), wobei Kultur als Inbegriff
und Einheit der einzelnen Kulturgüter gemeint ist. Hier ist offenbar
            
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