Die Gesellschaft im Sinne von Tönnies.
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Leistung sich zuerkennt, und die ihm freilich auch willig von dem
Schwächeren zuerkannt wird. Wir können beide als Leistungs- und Her-
renrechte unterscheiden. Beide sind von Haus aus untrennbar verbun-
den; sie entfließen aus einer Einheit, aus dem Wesen des Machtverhält-
nisses. Zugleich zeigt aber die Gesthichte, wie stark die Neigung zum
Überwuchern der Herrenrechte über die Leistungsrechte ist, und wie sich
an ein fortgesegtes Zurückgehen der Leistungen die Gefahr des Sturzes
schließt. Man kann hierin die Tragik des Machtverhältnis-
ses erblicken, sofern die Vorzüge und die Schattenseiten dieses Verhält-
nisses aus derselben Quelle stammen: Unterordnungswille auf der einen,
Machtwille auf der anderen Seite führen ebensowohl zu den Leistungen
des Machtverhältnisses wie zu seinem Mißbrauch und seiner Zersegung.
Man kann in demselben Sinne auch von einer Tragik der
übrigen Grundverhältnisse sprechen. Diejenige des Kampf-
verhältnisses liegt darin, daß bei ihm das Schaffen an das Zerstören ge-
bunden ist, wobei das letztere das erstere überwiegen kann. Die Tragik
des Vertragsverhältnisses liegt in seiner grundsäglichen Gleichgültigkeit
gegen den einzelnen Fall und der damit unter Umständen verbundenen
Härte. Diese Härte entquillt aber derselben Gesinnung des Respekts
vor der Norm, auf der alle Heiligkeit der Verträge und alle Sicherheit
der Rechtsordnung beruht. Eine Tragik des Gemeinschaftsverhältnisses
endlich kann man darin erblicken, daß es die Persönlichkeit in ihrer Ent-
faltung sowohl auf dem geistigen wie auf dem wirtschaftlichen Gebiet
bedroht; die fördernde Wirkung der Verbundenheit schlägt hier in eine
schädigende um. Freilich beschränkt sich diese Gefahr mindestens in
der Hauptsache auf höhere Kulturstufen. Auf tieferen ist es durchweg
ein durchaus gesundes und förderndes Verhältnis. Die übrigen Grund-
verhältnisse dagegen sind von Anfang an mit den eben angedeuteten
Schwächen und Übeln mehr oder weniger behaftet. Es ist unter diesen
Umständen von besonderer Bedeutung, daß auf tieferen Kulturstufen
das Gemeinschaftsverhältnis die übrigen bei weitem überwiegt. Von
Haus aus erscheint die Menschheit auf der Bühne der Welt in einer
Lebensform, in der gewissermaßen ein gesunder Gleichgewichtszustand
erreicht ist, und die an die Sicherheit der Anpassung in der Tier- und
Pflanzenwelt erinnert. Die weiteren Lebensformen aber, die daneben
aufkommen, bringen es nicht mehr zu derselben Sicherheit und Angepaßt-
heit. Und mit steigender Kultur bewegt sich das Leben der Menschheit
immer mehr in Formen, die eine volle Anpassung nicht mehr erreichen,
die dank dem modernen Individualismus die Schwierigkeiten des Lebens
nicht mehr voll zu überwinden wissen und immer mehr den Charakter
des Problematischen annehmen.