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Es gilt, den Monopolcharakter des städtischen Grundbesitzes zu
mildern und die Steigerung der Grundrente mehr der Gesamtheit zu-
gänglich zu machen. Dies kann einmal durch erhöhte Grund- und
Gebäudesteuer geschehen, dann durch Ausdehnung des Gemeindebesitzes,
der nur auf Zeit abgegeben, aber nicht endgiltig verkauft werden darf.
Mehrfach haben die Gemeinden selbst den Bau von Arbeiter.
wohnungen in die Hand genommen. Die Londoner Gemeinde hatte
im Jahre 1900 mit einem Aufwand von 2 Mill. Pfad. Wohnungen für
42000 Personen gebaut und vermietet, wobei sie eine Verzinsung des
Anlagekapitals von 3,77%, erzielte. In Deutschland hat z. B. Frei-
burg i. B. seit 1885 mit dem Selbstbau von Häusern begonnen. 1899
besass die Gemeinde 81 Häuser mit 267 Wohnungen.
Bemerkenswert ist, dass schon jetzt manche Städte über einen
nicht unbedeutenden Grundbesitz verfügen. Im Jahre 1897 gehörte
der Stadt von der Gesamtfläche des städtischen Gebietes (Handwb.,
Bd. VIT, S. 867) in Frankfurt a. M. 49,4%, Aachen 42,6%, Wiesbaden
and Hannover 36,6%, Strassburg 34,5%, Mannheim 32,3%, Magde-
Durg 23,7 °%, München 19,3%. Durch ein den Gemeinden einzuräumen-
des weitgehendes Enteignungsrecht nach dem von ihr aufgestellten
Bebauungsplan kann in dieser Hinsicht viel erreicht werden. Freilich
xamen damit auch nicht unbedeutende Gefahren, sowohl finanzieller
Verluste wie Missbrauchs des erlangten Monopoles vor, welche nur
lurch strenge staatliche Kontrolle gemildert werden können, und das
Verfahren ist nur da am Platze, wo eine über den Parteien stehende
Regierung die Gewalt in Händen hat.
Durch Ausdehnung der Strassenbahnen mit billigem Tarif kann
ine grosse Entlastung der Centren erzielt werden. Aber nicht alle
Arbeiter können ausserhalb der Stadt wohnen. Sehr viele, namentlich
Frauen sind darauf angewiesen, in der Nähe der Kundschaft zu wohnen,
um jede Arbeitsgelegenheit sofort zu benutzen.
Es ist zu erwägen, ob nicht an die Arbeitgeber die Anforderung
zu stellen wäre, für einen Teil der von ihnen ständig beschäftigten
Arbeiter selbst angemessene Wohnungen zu schaffen, wie es auf den
Sütern Usus ist. Nach dem Bericht für die Weltausstellung in Paris
varen in Deutschland 1898 von industriellen Arbeitgebern 143,049
Arbeiterwohnungen geschaffen. Fuchs berechnet, dass danach auf
000 Fabrikarbeiter etwa 18 kämen. Krupp in Essen hatte 1881 für
‚2 Millionen Mark 3659 Wohnungen für 25000 Personen gebaut und
vermietete sie an seine Arbeiter so billig, dass das angelegte Kapital
äch nur mit 2%, verzinste. Die Mansfelder Gewerkschaft sucht da-
gegen durch Baudarlehn ihren Arbeiter den Erwerb eigener Häuser zu
ermöglichen. Die preussische Kisenbahnverwaltung hat 1895 20 Millionen
Mark zum Bau von Arbeiterwohnungen ausgeworfen, wofür sie nur
1% Verzinsung beansprucht,
Die gemeinnützige Thätigkeit kann erfahrungsgemäss sehr wohl-
thätig wirken, gute und billige Arbeiterwohnungen zu schaffen, um
dem Arbeiter Gelegenheit zu geben, die Häuser zum Selbstkostenpreise
zu erwerben, oder zu billigerem Zins gute Wohnungen zu mieten. In
dem Streben, möglichst Vollkommenes zu leisten, machen sie die
ersteren Wohnungen aber meist zu teuer, so dass sie nicht dem Arbeiter,
sondern höherstehenden Kreisen zu gute kommen.