Full text: Gesellschaftslehre

326 
Die Gruppe. 
ergibt sich aus dem beiderseitigen Verhältnis zur Gruppe, und zwar ist 
Jiese Gesinnung der Achtung wiederum eine legte nicht weiter ableit- 
bare Tatsache, eine soziale Kategorie für die Auffassung im Gruppen- 
leben. Die Gesinnung der Achtung hängt eng zusammen mit der Tendenz 
jeder Gruppe zur Lebensordnung ($ 33) oder bildet vielmehr eine wesent- 
liche Seite dieser Tendenz. Sie bedeutet eine Bereitwilligkeit, gewisse 
Ansprüche der Genossen anzuerkennen und diese entsprechend gelten 
zu lassen. 
Endlich hegt der Einzelne gegenüber der Gruppe den Willen zur 
Unterordnung und zur Förderung. Auch diese beiden Haltun- 
zen wenden sich den Genossen zu, soweit sie die Gruppe vertreten. Der 
Wille zur Unterordnung wird der Gesamtheit der Genossen entgegen- 
gebracht, sofern diese die Gruppe repräsentieren, und ebenso den in der 
Gruppe vorhandenen Führern. Eine Förderungsbereitschaft beweist der 
Einzelne, erstens soweit die Gruppe als ein Ganzes mit ihren Interessen 
in Frage kommt; und zweitens zeigt er sie auch den einzelnen Genossen 
regenüber in der Situation der gegenseitigen Förderung. (Näheres $ 32.) 
4. In welchem inneren (kausalen) Verhältnis steht die Gruppe 
zu den sie tragenden Individuen? Aufgefaßt wird diese wie wir 
sahen von ihren Mitgliedern nicht als eine Summe von einzelnen selb- 
ständigen Personen, sondern als ein diese umfassendes Ganzes. Diesem 
subjektiven Sachverhalt entspricht nun auch der objektive: auch in ob- 
jektiver Hinsicht bildet die Gruppe eine Einheit: sie wird von den 
sinzelnen Individuen.nicht erzeugt, sondern nur von ihnen ge- 
tragen. Umgekehrt werden vielmehr die einzelnen Beteiligten zu 
Genossen erst dadurch, daß sie in die Gruppe eintreten. Die Gruppe ist 
nicht additiv zusammengeseßt aus einer Reihe von einzelnen Menschen 
mit ihren persönlichen Qualitäten und Beziehungen, sondern erst durch 
die Zugehörigkeit zur Gruppe entstehen die Genossen aus diesen Einzel- 
wesen. Schon rein formal betrachtet ist die Gruppe nicht gleichbedeutend 
mit der Gesamtheit der jeweiligen Gruppengenossen, da sie vielmehr im 
Wechsel der Individuen beharrt. In inhaltlicher Hinsicht aber kommt 
ihr; wie schon mehrfach betont, eine formende und gestaltende Kraft 
zu. / Jedes Volk durchdringt mit seiner Eigenart seine Angehörigen, und 
jedes Offizierkorps prägt Jedem, der in seine Reihen eintritt, seinen 
Stempel auf. Die hier gemeinte Eigenart der Gruppe ist, wie die täg- 
liche Erfahrung zeigt, vom Wechsel der Individuen relativ unabhängig. 
So ist z. B. ein böser Geist, der sich einmal in einer Behörde eingenistet 
hat, bekanntlich schwer auszurotten. Das Amt zieht den Menschen über- 
all nach sich, wie sich an dem typischen „Umfallen‘“ der bisherigen An-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.