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Die Gruppe.
ergibt sich aus dem beiderseitigen Verhältnis zur Gruppe, und zwar ist
Jiese Gesinnung der Achtung wiederum eine legte nicht weiter ableit-
bare Tatsache, eine soziale Kategorie für die Auffassung im Gruppen-
leben. Die Gesinnung der Achtung hängt eng zusammen mit der Tendenz
jeder Gruppe zur Lebensordnung ($ 33) oder bildet vielmehr eine wesent-
liche Seite dieser Tendenz. Sie bedeutet eine Bereitwilligkeit, gewisse
Ansprüche der Genossen anzuerkennen und diese entsprechend gelten
zu lassen.
Endlich hegt der Einzelne gegenüber der Gruppe den Willen zur
Unterordnung und zur Förderung. Auch diese beiden Haltun-
zen wenden sich den Genossen zu, soweit sie die Gruppe vertreten. Der
Wille zur Unterordnung wird der Gesamtheit der Genossen entgegen-
gebracht, sofern diese die Gruppe repräsentieren, und ebenso den in der
Gruppe vorhandenen Führern. Eine Förderungsbereitschaft beweist der
Einzelne, erstens soweit die Gruppe als ein Ganzes mit ihren Interessen
in Frage kommt; und zweitens zeigt er sie auch den einzelnen Genossen
regenüber in der Situation der gegenseitigen Förderung. (Näheres $ 32.)
4. In welchem inneren (kausalen) Verhältnis steht die Gruppe
zu den sie tragenden Individuen? Aufgefaßt wird diese wie wir
sahen von ihren Mitgliedern nicht als eine Summe von einzelnen selb-
ständigen Personen, sondern als ein diese umfassendes Ganzes. Diesem
subjektiven Sachverhalt entspricht nun auch der objektive: auch in ob-
jektiver Hinsicht bildet die Gruppe eine Einheit: sie wird von den
sinzelnen Individuen.nicht erzeugt, sondern nur von ihnen ge-
tragen. Umgekehrt werden vielmehr die einzelnen Beteiligten zu
Genossen erst dadurch, daß sie in die Gruppe eintreten. Die Gruppe ist
nicht additiv zusammengeseßt aus einer Reihe von einzelnen Menschen
mit ihren persönlichen Qualitäten und Beziehungen, sondern erst durch
die Zugehörigkeit zur Gruppe entstehen die Genossen aus diesen Einzel-
wesen. Schon rein formal betrachtet ist die Gruppe nicht gleichbedeutend
mit der Gesamtheit der jeweiligen Gruppengenossen, da sie vielmehr im
Wechsel der Individuen beharrt. In inhaltlicher Hinsicht aber kommt
ihr; wie schon mehrfach betont, eine formende und gestaltende Kraft
zu. / Jedes Volk durchdringt mit seiner Eigenart seine Angehörigen, und
jedes Offizierkorps prägt Jedem, der in seine Reihen eintritt, seinen
Stempel auf. Die hier gemeinte Eigenart der Gruppe ist, wie die täg-
liche Erfahrung zeigt, vom Wechsel der Individuen relativ unabhängig.
So ist z. B. ein böser Geist, der sich einmal in einer Behörde eingenistet
hat, bekanntlich schwer auszurotten. Das Amt zieht den Menschen über-
all nach sich, wie sich an dem typischen „Umfallen‘“ der bisherigen An-