Full text: Gesellschaftslehre

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Die Gruppe. 
28. Die Doppelseitigkeit des Gruppenlebens. 
(Gruppe und Gruppensubstrat). 
Inhalt: Neben dem Eigenleben der Gruppe: besteht ein persönliches Leben 
ihrer Mitglieder: Das Mitglied der Gruppe ist zugleich Genosse und Person, und von 
den Gruppenangelegenheiten sind die persönlichen Angelegenheiten ihrer Mitglieder 
zu unterscheiden. Diesen doppelten Aspekt gewährt die Gruppe auf allen Stufen der 
menschlichen Kultur- 
In unseren bisherigen Betrachtungen erschien die Gruppe als eine 
Einheit, wobei ihre Individuen als deren Träger auftreten. Freilich war 
dabei auch schon die Tatsache gestreift, daß diese Individuen auch per- 
sönlichen Angelegenheiten nachgehen, für die die Gruppe lediglich als 
formale Einheit in Betracht kommt, indem ein einheitlicher Stil des per- 
zönlichen Verhaltens aus ihren Einflüssen hervorgeht. Von einer Einheit 
ler Gruppe ist demgemäß bei genauerer Betrachtung in einem dop- 
pelten Sinn zu sprechen: es ist zu unterscheiden zwischen einer 
Formalen Einheit, wobei die Gruppe lediglich eine Art Rahmen 
abgibt für das persönliche Leben ihrer Mitglieder, und einer inhalt- 
lichen Einheit, kraft deren die Gruppe als eine Individualität 
mit eigenem Leben, eigenen Interessen, Angelegenheiten usw. erscheint. 
Die Gruppe oder genauer gesagt das Leben in der Gruppe gewährt uns 
demgemäß zwei verschiedene Aspekte: einerseits treten uns Individuen 
als Subjekte dieses Lebens entgegen und anderseits die Gruppe selber in 
ihrer Einheit als ein solches Subjekt. Besonders nach drei Richtungen 
hin können wir diese Doppelseitigkeit verfolgen. 
{. Das Substrat der Gruppe ist zugleichGenosseundPer- 
sönlichkeit, d. h. zugleich Gruppenwesen und selbständiges Wesen. 
Gewiß ist der erstere Charakter bei jeder „stärkeren“ Gruppe stärker 
ausgeprägt als der zweite. Namentlich für tiefere Kulturstufen gilt die- 
ser Sag. Jeder sieht in den übrigen Gruppenmitgliedern typischerweise 
in erster Linie den Träger der Gruppe und faßt sein Verhalten als ein 
Verhalten der Gruppe auf. Jeder erblickt demgemäß auch in sich selbst 
ypischerweise in erster Linie einen Träger von Gruppeneigenschaften, 
and erst in weitem Abstande davon schenkt er seinen persönlichen Eigen- 
schaften Beachtung, ebenso wie seine Umgebung in ihm vor allem das 
Gruppenmäßige und viel weniger das Persönliche sieht. Auch bei uns ist 
bei „starken“ Gruppen der Sachverhalt noch derselbe (beim Korps- 
studenten oder. Offizier). Aber stets handelt es sich nur um eine Abstu- 
fung in der Wichtigkeit, nicht um ein völliges Fehlen des einen Gliedes. 
Auch in primitiven Verhältnissen werden die einzelnen Menschen von 
ihrer Umgebung zugleich auch nach ihren persönlichen Eigenschaften von-
	        
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