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Einsicht wird also nicht durch Vergleichung einer größeren Menge von
Fällen, also nicht durch Induktion gewonnen. Man bezeichnet dieses der
Induktion entgegengesegte Verfahren bekanntlich wohl als ideierende
Abstraktion. — Es kommt, wie gesagt, das hier angedeutete Verfahren
nur für legte Tatsachen und Begriffe in Frage. Für solche ist es aber
auch zugleich notwendig, weil hier die begriffliche Auflösung aus-
geschlossen ist. Demgemäß hat auch schon der Schöpfer der formalen
Soziologie, Simmel in seiner „Soziologie“ mehrfach einen Anlauf zu die-
sem Verfahren genommen. Auch von Tönnies’ Kennzeichnung der bei-
den Typen der Gemeinschaft und der Gesellschaft ist Ähnliches zu sagen,
da beide als soziale „Urphänomene“ zu gelten haben. Neuerdings ist
die Notwendigkeit eines solchen phänomenologischen Verfahrens für die
Grundbegriffe der Soziologie mehrfach betont worden; so von Kanto-
rowicz in seiner oben ($ 1,,) angeführten Arbeit.
Von legten Tatbeständen (Urphänomenen) und ihnen entsprechenden legten Be-
griffen (Kategorien), die im yorliegenden Werk mehr oder weniger ausführlich erörtert
sind, seien hier die folgenden genannt: Selbstgefühl und Geltungswille ($ 4); Unter-
ordnungswille, Verehrung und Aneignung der verehrten Persönlichkeit, Schüchternheit,
Verlegenheit und Schamgefühl ($ 5); Liebe und Haß ($ 8); Annahme und Ablehnung
der Persönlichkeit bei der verbalen Beeinflussung ($ 11); Ichausweitung über die eigene
Person hinaus ($ 12); unterbewußte Fühlung ($ 13); Mitteilung und Verständnis als
eine Einheit, das „Du“, Person und Sache ($ 14); Heimgefühl und Fremdheitsgefühl
($ 18); Gemeinschaftsnähe und -ferne, Sinnverbundenheit, Tausch und Vertrag, Ach-
tung, Gebundenheit, Vertrauen und Anspruch ($ 20); Annahme des Kampfes ($ 25);
Gruppe, Genosse und Gruppenzugehörigkeitsbewußtsein ($ 27); Lebensordnung der
Gruppe, Forderung ihrer Anerkennung, Billigung und Mißbilligung, Norm und Sollen
' ($ 33).
Drittens erörtert das erste Kapitel die gesellschaftliche
Bedeutung der einzelnen sozialen Anlagen, z. B. die Bedeutung des
Hilfs- und Kampftriebes, des Unterordnungswillens und Selbstgefühls
für die Lebensprozesse der Gesellschaft. Daß diese legteren Erörterungen
in das Gebiet der Soziologie hinein gehören, liegt auf der Hand. Anders
ist es bei den beiden übrigen Gegenständen des ersten Kapitels, der Tat-
sache der inneren Verbundenheit und dem Inventar der sozialen An-
lagen. Diese beiden Themata gehören, genau betrachtet, allerdings nicht
zur Soziologie, sondern in die Sozialpsychologie. Ist ihre Erörterung in
einem Lehrbuch der Soziologie deswegen nicht am Plag? Darauf ist zu
antworten: jedenfalls sind diese Erörterungen für die soziologische Er-
kenntnis wichtig. Die Sozialpsychologie erscheint also insoweit jeden-
falls als eine Hilfswissenschaft für die Soziologie. Es herrscht nämlich
wohl allgemeine Übereinstimmung darüber, daß das Wesen der Gesell-
schaft nicht in einem äußeren Nebeneinander, sondern in einer inneren
Beziehung besteht, die in der Regel als Wechselwirkung hezeichnet wird.