Die Gruppe als Einheit.
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verbietet das schon der Gegensag zwischen führenden und geführten
Individuen, der sich auch hier überall bemerkbar
macht ($ 24). Insbesondere gilt das legtere für den Mechanismus des
Kulturwandels, bei dem wir in vielen Fällen feststellen können, daß die
[nitiative von führenden Persönlichkeiten ausgeht!). Bei der Neuschöpfung
von Sitten, Formen der Technik, sprachlichen Gebilden oder reliriösen
Vorstellungen und überall sonst auf diesem Gebiet benimmt sich
die Gruppe schon in dieser Beziehung durchaus nicht wie ein einziges
Individuum; ganz abgesehen davon, daß auch hier die Frauen vor den
Männern zurücktreten (oder nach Maßgabe der Arbeitsteilung zwischen
den Geschlechtern auch umgekehrt) und die Kinder sowie einzelne kranke
und schwachsinnige Elemente keine Rolle dabei spielen. Zweitens besteht
vielfach eine Spannung zwischen Handelnden und Zuschauern, derart,
daß die letzteren einen Druck auf die widerstrebenden Handelnden ausüben
($ 35). Die übliche Behandlungsweise wird dem verwickelten Sachverhalt
nicht gerecht. Man behandelt, wie es noch Wundt in seiner
Völkerpsychologie in großem Maßstabe getan hat, die Fragen als rein
psychologische (d. h. individualpsychologische) — behandelt sie
mithin so, als ob ein einzelner Mensch es wäre, der die Sprache, die Sitten
und den Glauben in einzelnen Punkten wandelt. In Wirklichkeit
muß die ganze Fragestellung durch eine soziologische ersegöt werden,
die namentlich den Gegensägen von führenden und geführten Individuen
sowie von Handelnden und Zuschauern gerecht wird”). Noch verkehrter
ist es natürlich, Volkslieder, Volksepen usw. als einfache Erzeugnisse
eines einheitlichen Geistes aufzufassen. In den meisten Fällen liegt
hier der individuelle Ausgangspunkt für die Entstehung klar; in anderen,
wie bei den Volksepen,. ist er durch ein verwickeltes Ineinandergreifen
verschiedener Personen zu erseben.
Neben der eben erwähnten Gliederung in Führende und Geführte
müssen wir überall im Gruppenleben bereits mit Spannungen und
Auflehnungen, Gegensägen und Kämpfen rechnen. In welchem Maße
lies der Fall ist, läßt sich nicht übersehen. Innerhalb mancher Lebensgemeinschaften
wie der Sippen oder Lokalgruppen scheint auf relativ
niedrigen Stufen davon freilich nur wenig aufzutreten. ($ 26,,.) Anderzeits
konstatiert eine Monographie, die sich mit den einschlägigen Verhältnissen
der australischen Eingeborenen beschäftigt, daß uns dort überall
bereits Trog und Egoismus, Interessengegensag und Kampf entgegen-‘)
Vgl. meine Stetigkeit im Kulturwandel S. 156 fg.
2) Über den ersten Gegensatz vgl. meine Ausführungen in der Zeitschr. f. Sozialwissenschaft
N. F.. Bd. III S. 233 fe