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Die Gruppe.
z. B. Fälle persönlicher Nöte und Mißgeschicke, sofern in ihnen nicht
gleichzeitig irgendwie ein Interesse der Gruppe berührt und dadurch der
Trieb zur solidarischen Abwehr erregt wird. ($ 32,,). So lassen bloß in-
dividuelle Härten allgemeiner Einrichtungen die Gruppe kalt, während
eine Rechtsverlegung, obwohl an sich ebenfalls ein individuelles Er-
eignis, bei ihrer Bedeutung das größte öffentliche Interesse erregen
kann. Alle staatlichen Maßregeln in Recht und Verwaltung, alles Wirt-
schaftsleben gehen mitleidslos hinweg über rein individuelle Interessen
and individuelle Wertvernichtung. Im höchsten Maße zeigt sich diese Er-
scheinung im Kriege. Aber auch im Frieden segt sich z. B. die Praxis
des Strafrechtes über die Härten hinweg, die dieses den Verbrechern
zegenüber in den unbeabsichtigten Folgen der Strafe bekundet. Ferner
denke man an die wirtschaftlichen Umwälzungen im modernen Leben mit
ihren vielen Opfern. Es handelt sich hier natürlich nicht um die ethische
Seite dieser Frage, auch nicht um die praktische Frage der Vermeidhar-
keit der Opfer, sondern nur um den psychologischen Tatbestand, daß die
durchschnittliche Denkweise, oder besser gesagt, die kollektive Meinung
liese Opfer und Härten als selbstverständlich betrachtet und ihr Interesse
nur dem Ganzen zukehrt. Nur beiläufig sei hingewiesen auf die besonde-
ren Schwierigkeiten, die sich für unsere Zeit ergeben aus dieser Haltung
des Kollektivwillens angesichts der gesteigerten Empfindlichkeit des Ein-
zelnen, der sich immer mehr als Selbstzweck betrachtet, während der
Mechanismus des Gruppenlebens ihn als bloßes Mittel zu behandeln die
Tendenz hat.
Ebenso sind ausgeschlossen alle Interessen solcher T eil-
zruppen, die sich der dominierenden Teilgruppe gegenüber nicht ge-
nügend zur Geltung zu bringen vermögen. Dahin gehören im modernen
staatlichen Leben einerseits kleine Teilgruppen, die sich zu wenig bemerk-
bar zu machen vermögen, und die z. B., falls sie aus Beamten bestehen,
bei Gehaltsaufbesserungen gern übergangen werden. Ebenso gehören
Jahin die minderwertigen und schwachen Elemente wie die Kranken,
die Armen, die Unglücklichen oder die Verbrecher. Ihnen allen gegen-
über ist die Humanität die einzige ziemlich schwache Triebkraft, ihre
Lage nach Möglichkeit zu verbessern, soweit ihre Leiden nicht einen
solchen Umfang annehmen, daß dadurch das Gedeihen der Gruppe selbst
gedroht wird ($ 32,„). Ähnlich ist bei der Pflege rein geistiger Interessen
‘insbesondere von Kunst und Wissenschaft) im modernen Staat zu fra-
zen, wieweit Staat und Nation dabei zugleich Nüßglichkeitsinteressen
oder einer Steigerung ihres Ansehens nachgehen. Anderseits soll natür-
lich nicht bestritten werden, daß der kollektive Lebensdrang von den
/rühesten Kulturstufen an auch künstlerische und religiöse Interessen
ımfaßt.