Kämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum; goldene Bulle. 115
schen Erzbischöfe, fand er schon den Widerstand der Kurie, die
eben im Begriff war, fast ganz in französische Gewalt zu
fallen. Und indem dieser Widerstand zunächst in der inneren
deutschen Politik einsetzte, zeigte sich, daß die moralische Macht
des Papsttums in Deutschland, bei Fürst wie Volk, noch un—
zgebrochen und unüberwindlich war.
Heinrich VII. verfolgte an der Stelle von Albrechts Zielen
das imperiale Ideal. Es war eine der Kurie anfangs nicht
unangenehme Wendung. Dem Einflusse der französischen Herr⸗
scherfamilie jetzt völlig unterworfen, sehnte sie sich nach einem
deutsch-kaiserlichen Gegengewicht in Oberitalien. Aber nicht so
faßte Heinrich VII. seine Aufgabe. Ein kaiserlicher Schwärmer
edler Thatkraft zog er nach Rom; die freie Herrschaft über
Italien schien das notwendige Endziel seiner Politik. Alsbald
kam es zum Anfang offenen Kampfes mit dem Papst und
dem angiovinischen König von Neapel.
König Ludwig nahm zunächst nur die ersten Schritte der
Politik Heinrichs auf. Aber die Kurie sah in ihm den Erben
aller Ziele des Vorgängers. So erweiterte sie sofort die ita⸗
lienischen Differenzen zu dem alten großen Prinzipienstreit
wischen Imperium und Sacerdotium.
In diesem Kampfe hatte das Papsttum während des frü—
heren Mittelalters gesiegt, weil es die Kirche hinter sich hatte.
Ja recht eigentlich erst aus der Entwicklung der religiösen
Triebe der Laienwelt des 10. Jahrhunderts heraus war es
befähigt worden, den Kampf zu unternehmen. Jetzt lagen die
Dinge anders. Die Laienwelt fühlte, soweit sie religiös an—
geregt war, teilweis nicht mehr mit dem Papsttum; ja die
demokratischen Teile der Kirche selbst wandten sich gegen die
eräußerlichten Ziele einer päpstlichen Weltmacht.
Und weiter! Auch das Imperium war nicht mehr die
alte Macht. Hatte im früheren Mittelalter die Anschauung
von seiner Universalität auf Grund der thatfächlichen Gewalt
der deutschen Herrscher mit einigem Rechte aufrecht erhalten
werden können, so wurde jetzt von Tag zu Tage klarer, daß
das Kaisertum nichts war, als eine der deutschen Nation
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