Full text: Gesellschaftslehre

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Abhängigkeit des Einzelnen von seiner Bewertung durch die Gruppe. 
Um diese herauszuarbeiten, wollen wir es zunächst vergleichen mit einer 
anderen, vielfach mit dem gleichen Namen belegten Haltung, die ihm 
äußerlich ähnlich, innerlich jedoch von ihm wesensverschieden ist. Und 
zwar greifen wir beide Male einen besonderen Fall heraus, indem wir 
das Verlangen nach Macht vergleichen, wie es sich im Zu- 
sammenhang jeder von beiden Haltungen darstellt. Als Typus des einen 
führen wir den Tyrannen an, der weiter nichts will als daß sein Ich als 
mächtig und bedeutend in einem rein äußeren Sinne erscheint; als Ver- 
treter des zweiten den Ehrgeizigen, der nach einer Machtposition strebt 
in erster Linie, weil sie als Ausweis eines besonderen Wertes erscheint, 
oder den Dilettanten, der als Kenner gelten will. Die beiden legteren 
scgen bei ihrem Streben einen Maßstab der Bewertung voraus und er- 
kennen ihn implizite als gültig und für sie verbindlich an. Ihr Ver- 
halten ist also mit einer inneren Unterordnung unter die Werturteile 
ihrer Umgebung verbunden und verknüpft sich so mit einer inneren Ab- 
hängigkeit von dieser, während bei dem ersten Typus diese beiden Eigen- 
schaften fehlen. Hier, bei ihm herrscht vielmehr der bloße, von jeder 
Einschränkung freie Wille nach Macht und Überlegenheit schlechtweg — 
man möchte sagen die bloße Freude am Ursachesein, unbekümmert 
darum, was verursacht wird. Dieser blinde Machtwille kann sich auch 
an Tieren und gelegentlich auch an der toten Natur befriedigen, durch 
Überwinden von Hindernissen, Bewältigen von Lasten usw.; wobei natür- 
lich diejenigen Fälle auszuschließen sind, in denen die Überlegenheit über 
das Außermenschliche nur wegen der Rückwirkung auf die menschliche 
Umgebung erstrebt wird. Ihm kommt es nur auf das äußere Verhalten 
der Umgebung an, auf das Abhängigsein schlechtweg, insbesondere auf 
die Zeichen der Unterwürfigkeit, des Schreckens und der Furcht. Auch 
die Grausamkeit bildet wenigstens in einer Komponente einen besonde- 
ren Fall dieses Typus. Ihm kommt es nur auf das Zittern und die Füg- 
samkeit, dem andern Typus zugleich auf Achtung und Anerkennung eines 
Wertes an, die ihm die Abhängigen entgegenbringen sollen. Der eine 
will nur über das Verhalten, der andre über Seelen herrschen: der eine 
strebt nach äußerer, der andre nachinnerer Macht. Nur der 
zweite kennt daher das Schamgefühl, da wo er auf Mißachtung stößt; 
denn diese Mißachtung ist an sich ein rein innerlicher Zustand, der mit 
der äußeren Machtsphäre nichts zu tun hat. Der erste dagegen kennt, 
wo er Mißerfolg erntet, nur Zorn und Wut als Reaktion. In der Ver- 
brecherwelt wird man diesen ersten Typus nicht selten einigermaßen rein 
ausgeprägt finden. Von Shakespeares Gestalten gehört Richard III. oder 
Jago hierher. 
Man sieht: nur die zweite Form unseres Triebes ist ein snezi- 
Der Instinkt des Selbstgefühles.
	        
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