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ihrer. Als Sache können dabei natürlich auch Menschen oder sonstige
lebende Wesen behandelt werden, wovon später ausführlicher die Rede
sein wird.
Die Gruppe.
Nach der Situation, in der diese Form der Moral waltet,
können wir das ihr entsprechende Verhältnis endlich als Jagdver-
hältnis bezeichnen: wie das verfolgte Wild ist das Wesen, das ihr
Objekt bildet, bar aller Ansprüche und ein bloßer Gegenstand eigener
[nteressen. Zugleich weist diese Bezeichnung darauf hin, wie tief ver-
wurzelt dieses Verhältnis in den menschlichen Lebensbedingungen ist;
denn die Jagd, in der diese Moral in klassischer Reinheit zur Geltung
kommt, ist ein normaler Lebensvorgang. Diese Moral entspringt also
aus einer bestimmten Art von Naturzustand, nämlich einem Zustande
des Kampfes aller gegen alle. Das ist gewiß nicht der einzige, wohl
aber ein wesentlicher Zustand, in dem sich der Mensch seiner Umwelt
zegenüber befindet. Die hier in Rede stehende Haltung der morallosen
Selbstfürsorge ist also von Haus aus notwendig, weil das Leben in die-
sem Zustande mit einem unversöhnlichen Gegensag der Interessen be-
haftet ist. Sie behauptet sich auch bis in alle Verfeinerungen unserer
Kultur, wenn es auch bei uns feinnervige Individuen gibt, die ihr nicht
ins Gesicht zu schauen vermögen. Aber auch außerhalb derjenigen
Situationen, in der sie absolut notwendig ist, tritt die gleiche Haltung
vielfach auf als absolute Gleichgültigkeit und Willkür gegen alle Ob-
jekte, die nicht zur Sozialwelt gehören und nicht anderweitig Objekte
von Pflichten sind.
Die ursprüngliche Verbreitung dieser Moralform haben wir
lamit bereits angedeutet. Sie kommt zur Anwendung nur gegenüber
Wesen, die nicht zur Sozialwelt gerechnet werden. Dazu können natür-
lich auch Menschen gehören, wofern sie als völlig fremde erscheinen.
Hierher gehört die Sklaverei, soweit sie keinen patriarchalischen Charak-
ter besigt. Ferner gehören sonstige reine Gewaltverhältnisse hierher;
so vielfach die Kriege von Europäern gegen Naturvölker, die vom reinen
Vernichtungswillen bestimmt sich kaum von einer Jagd unterscheiden,
oder Plünderungszüge zwischen Stämmen, die nur hierbei in gelegent-
liche Berührung treten. Abgesehen vom ersten Beispiel handelt es sich
dabei nur um vorübergehende Verhältnisse. Bei dauernder Berührung
mildert sich nämlich in der Regel das ursprüngliche Verhältnis.
Die drei vorstehend unterschiedenen Sozialmoralen verteilen sich
natürlich nicht über verschiedene Individuen in einer Gruppe, sondern
jedes Mitglied bewegt sich in jeder dieser Moralen je nach den Ver-
hältnissen. Jedoch kann man anderseits von einem Dominieren der
einen oder anderen Form bei jedem Individuum sprechen und danach