Der Instinkt des Selbstgefühles.
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den Knaben mit Stolz über die männliche Straffheit seiner Existenz‘“1}).
Ebenso gehört wahrscheinlich auch der außerordentliche Stolz, den kleine
Kinder zeigen bei den ersten erfolgreichen Versuchen sich aufzurichten
oder zu gehen, in der Hauptsache hierher. Freilich tritt hier überall schon
früh eine soziale Komponente hinzu. Bei allen starken Bewegungen,
Kraftentfaltungen, Überwindungen physischer Schwierigkeiten, auch wohl
bei dem Ertragen starker Sinneseindrücke und sonstiger Reize wie der
Rauschmittel bleibt dieses elementare Motiv neben dem sozialen dauernd
wirksam. An Bedeutung vermag sich die außersoziale Form mit der
sozialen freilich in keiner Weise zu messen: die bloße Freude am Können
bringt, wie die tägliche Erfahrung zeigt, den Menschen lange nicht soweit
wie die Rücksicht auf die Anerkennung seiner Mitmenschen.
Einbesonders dankbares Objekt bildet auch für diesen
Trieb der Mensch, weil bei ihm der Kreis der Möglichkeiten am
größten ist und der Erfolg sich am meisten aufdrängt und besonders ge-
würzt wird durch den Gegensag des erzwungenen Verhaltens gegenüber
der sonstigen Selbständigkeit und Freiheit des Menschen. Es kann
dieser Machttrieb sich damit begnügen, das äußere Verhalten der Men-
schen zu bestimmen. Tiefer greift er aber, wenn er den fremden Willen
selbst brechen oder überhaupt beherrschen will. Hier ist das Triumph-
gefühl so viel größer als im vorigen Fall, weil es durch das Bewußtsein
des überwundenen Widerstandes und des Sieges gesteigert wird. Aber
auch hier handelt es sich wiederum um äußere Macht im GegensaBß zur
inneren, solange eben nur die tatsächliche Beherrschung im Sinne der
Furchterregung und nicht zugleich eine Respektierung angestrebt wird.
Die äußere Macht richtet sich eben nur auf das Objekt als solches, d. h.
als bloßen Gegenstand einer Verfügungsmöglichkeit. Nur die innere
Macht richtet sich zugleich auch auf den „Zuschauer“ im beherrschten
Objekte selbst, sofern sie von diesem anerkannt und bewundert sein
will. Dort herrscht ein Gegenstand über einen anderen. hier die
Seele über die Seele.
Die trog aller Verschiedenheit bestehende äußere Ähnlichkeit beider Haltungen
bringt Müller-Freienfels (Grundzüge einer Lebenspsychologie, Bd.I, S. 112) zum
Ausdruck, indem er beide zu den Trieben der Lebenssteigerung rechnet, und zwar den
biologischen Trieb zu denen der direkten, den sozialen zu denen der indirekten
Lebenssteigerung. Nur daß eben die Bereiche dieser Steigerung zwei verschiedenen
Welten angehören: der eine der Welt des äußeren, physischen Geschehens, der
andere der Welt derjenigen Güter, die ihr Dasein im Bewußtsein der Mitmenschen
besiten.
2. Wir wenden uns damit der Aufgabe zu, das Wesen des (sozialen)
Selbstzefühls zu kennzeichnen. Unter der Herrschaft dieses Triebes.
‘) Loge. Mikrokosmus. 5. Buch. 2. Kap. Ahbschn. ..Vom Put und Schmuck“