Sekuläre Änderungen des Holzpreises. 39
verzeichnen gehabt habe!). Gelegentlich wird sogar davon gesprochen, daß
man erfahrungsgemäß eine solche „Sparrente“ von 1!/. °/o auch für die
Zukunft annehmen könne). Demgegenüber haben wir folgendes fest-
stellen können:
1. Der positive Teuerungszuwachs ist eine sspezifisch deutsche Erscheinung,
der in England ein gleichzeitiger negativer Teuerungszuwachs
gegenübersteht.
2. Auch in Deutschland hat ein nennenswerter absoluter Teuerungs-
zuwachs des Durch schnittsfestmeters Nutz holz o d e r
Brennholz niemals bestanden; selbst in der Zeit gewaltigen
industriellen Aufschwunges seit 1895 entspricht die Steigerung des
durchschnittlichen Nutzholzpreises kaum der verringerten Kaufkraft
des Geldes. Die darüber hinausgehende Preiserhöhung des D ur c -
schnittsf e stmeters Ges amtholz masse ist aus-
s<hließlich auf verstärk te Nutzholzau s b eu te zurück-
zuführen.
In den graphischen Darstellungen der Abbildungen 1, 2a und 2b
sind die Preislinien nachrichtlich auf das Jahr 1924 durchgeführt worden.
Einen Wert für die Bestimmung der sekulären Preisbewegungen hat diese
Durchführung nicht, da wir heute noch nicht wisssen können, ob der heutige
hohe Preisstand nicht den Ausschlag einer durch besondere Verhältnisse
bedingten Konjunktur darstellt, dem binnen einer Reihe von Jahren der
Ausgleich nach unten folgt. Von diesem Gesichtspunkte ist auch die Tatsache
zu beurteilen, daß die heutigen (1925) Holzpreise gegen 1913 wesentlich
stärker gestiegen sind als die Großhandels-Richtzahl.
Ein besonderer Anlaß für den derzeitigen Hochstand der Preise ist
in der Zusammenballung der Goldvorräte der Erde in den Vereinigten
Staaten zu erblicken. Da die durch diese „Goldinflation“ hervorgerufenen
hohen amerikanischen Preise bei der überragenden Bedeutung, die die
Vereinigten Staaten für die ganze Weltwirtschaft gewonnen haben, für den
Weltmarkt maßgebend geworden sind, ergibt sich für die europäischen Staaten
zur Zeit die eigenartige Erscheinung, daß trotz ungünstiger Wirtschaftslage
1) Nach Preßler (Forstliches Hülfsbuch, Dresden 1869, S. 185) in den
letzten 50 Jahren (vor 1869) !/4 bis 3/4 °!2, nach Endres, I. c., S. 67,
1!/2 % )0 für den Zeitraum von 1880 bis 1910, nach Frhr. Spiegel von und zu
Peckelsheim (Anm. 2, Manuskr. S. 88) 1/2 %o für die letzten 100 Jahre.
?) Vgl. Frhr. Spiegel von und zu Peckelsheim, Wie kommen wir zu
allgemein anwendbaren einheitlichen Grundsätzen bei der Vornahme von Wald-
wertberechnungen? (Manuskr., S. 102.)