WANDERUNGSVORGANG ELS.-LOTHR. BEVÖLKERUNGSGRUPPEN. 49
dieses Vereins, daß die Mitglieder sich bei der Eirichtung
von Heimstätten gegenseitig helfen müssen 1 ). Aber auch
vom Standpunkt unserer Volksernährung aus betrachtet,
ist dieses Unternehmen außerordentlich zu begrüßen. Sämt
liche Heimstätten werden für landwirtschaftlichen Neben
betrieb eingerichtet (1—2 Morgen Land und Ställe für
Kleinvieh).
Ende 1919 vereinigte Hauptmann Schmude bereits
über 1000 Arbeiter in seinem Unternehmen. Ohne auf
die ungeheure soziale Bedeutung dieser Siedelungsaktion
hinweisen zu können — engste Verbindung von Kopf- und
Handarbeitern, Überwindung der Klassengegensätze muß
vom rein wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus betont wer
den, daß dies Unternehmen den Namen „Neu-Deutschland“
voll und ganz verdient. Es vereinigt in sich die Wege,
die beschritten werden müssen: Vermehrung der Urproduk
tion (landwirtschaftliche Erzeugnisse, Kohle, Kali) und
Überwindung der Wohnungsnot durch Selbsthilfe der
Siedler.
Menschen, die solche Wege zu gehen verstehen,
brauchen wir. Kommen Deutsche solcher Art aus dem
Ausland und aus den uns entrissenen Grenzlanden in unser
verkleinertes Vaterland, so bedeuten sie trotz der bei uns
herrschenden Übervölkerung eine Stärkung unserer Wirt
schaft.
Wir hatten festgestellt, daß Deutschland an Über
völkerung leidet, und infolgedessen eine Aufnahmefähig
keit für eine größere Einwanderung nicht besteht. Wir
haben uns nun klar gemacht, daß diese Feststellung einer
Einschränkung bedarf: Deutschlands Wiederaufbau ver
langt eine Vermehrung der Arbeitskraft in jeglicher Ur
produktion. Gehören die Einwanderer den hierbei in Frage
kommenden Berufen an, oder lassen sie sich leicht solchen
Berufen zuführen, so sind sie trotz anderer Hemmungen
und mißlicher Umstände für unsere Volkswirtschaft als
Gewinn zu buchen.
1) Das „Gebot der Stunde“ von Hauptm. Schmude (Deutsche
Landbuchhandlung, 1919).
Ernst, Eingliederung d. Elsaß-Lothr. ins deutsche Wirtschaftsleben.
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